Der Sinn des Lebens
In der Zeitschrift „Psychologie heute – compact“, Ausgabe Nr. 81, vom 13.07.2025, haben sich verschiedene Autoren zu dem Thema „Sinnerfülltes Leben“ geäußert.
Aus psychologischer Sicht wurde festgestellt, dass ein sinnerfülltes Leben an mehreren, individuell unterschiedlich gewichteten Faktoren festgemacht werden könne. Als stärkste Trigger wurden Generativität, Fürsorge, Religiosität und etliche weitere benannt.
Bei der philosophischen Fragestellung, was man unter einem sinnerfüllten Leben verstehen könne, reicht die Palette von „let‘s have fun“ bis zur „Aufopferung für eine gute Sache“. Zum Beleg dieser Ausführungen wurden Aussagen verschiedenster Psychologen und Philosophen aufgeführt.
Die Forschung geht heute davon aus, dass es mindestens vier Strategien gibt, um zu einem sinnerfüllten Leben zu gelangen. Demnach führe man eher ein sinnerfülltes Leben, wenn man
- sich in einem positiven geistigen und emotionalen Zustand befindet (Glück),
- sich seinem Gegenüber mit Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Fürsorge entgegentritt (Zugehörigkeit), etwas Positives in der Welt zu bewirken (Lebenszweck), das Leben sich in einer schlüssigen und folgerichtigen Erzählung aneinanderreiht (Narration) und wenn man eine tiefe Verbundenheit mit Menschen, dem Universum oder der Natur verspürt (Transzendenz),
- man interessiert und angeregt durchs Leben geht (psychologische Fülle) und
- man sich und sein Tun als gut genug empfindet und nicht stets zwanghaft weitere Optimierungen sucht (Genügsamkeit).
Jeder mag sich da das heraussuchen, was am besten auf seine Lebensgestaltung und -erwartung zutrifft.
Viele Philosophen haben sich bereits mit diesem Thema beschäftigt und sind zu den unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen.
Besonders m 19. Jahrhundert wird das Thema in der Existenzphilosophie – allen voran durch Kierkegaard, Schopenhauer und Nietzsche Ausgiebig aufgearbeitet. Aber auch Satre, Adorno, Kant u.V.m. trafen dazu Aussagen.
Bereits im Altertum hat man sich mit dieser Fragestellung beschäftigt.
Aristoteles, Epikur und etliche Andere haben versucht hier Wege aufzuzeigen, um zu einem sinnerfüllten Leben zu gelangen.
(Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_des_Lebens, https://gedankenwelt.de/die-philosophie-ueber-den-sinn-des-lebens/, https://www.information-philosophie.de/sinn-des-lebens.html u.a.)
In anderen Kulturkreisen kam man oft zu anderen Ergebnissen. So z.B. in Asien (Konfuziusianimus, Hinduismus, Buddhimus, Daoismus) und in Afrika (z.B. Obuntu)
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96stliche_Philosophie, https://learn2change-network.org/wp-content/uploads/2018/10/Essay-DE-Louis.pdf)
Wird hier aber nicht der zweite vor dem ersten Schritt gemacht? Geht die Diskussion nicht an dem grundlegenden Problem vorbei? Nämlich der Frage, ob es überhaupt einen Sinn für die menschlichen Existenz geben kann, den der Mensch sich nicht selbst gegeben hat? Dieser wäre davon unabhängig, ob Menschen diesen brauchen würden, um ein gutes und erfülltes Leben zu führen oder einfach nur empfinden oder anderen oktroyieren wollen.
Zunächst muss man sich darauf verständigen, dass die Evolution des Lebens eine anerkannte Grundlage der Diskussion ist.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution)
Wenn man dem nicht folgen kann, sondern Kreatonist ist, kommt man zwangsläufig zu anderen Ergebnissen. Dem Kreatonisten seien aber die Fragen erlaubt, ob wir, mit all unseren Unzulänglichkeiten, nur eine Beta-Version eines allwissenden Schöpfers sind, unser Schöpfer ein doch nicht so allwissender ist oder sich mit uns einen schlechten Scherz erlaubt hat. Denn wir sind gerade dabei die gesamte „Schöpfung“ und mit ihr die Religionen, Moralvorstellungen und Ideen für ein sinnerfülltes Leben auf der Erde auszulöschen und würden das auch auf einem anderen Planeten genauso weitertreiben, wenn wir uns hier nur rechtzeitig absetzen könnten.
Wenn die Evolution aber ähnlich einem Naturgesetz für alles im bisher bekannten Universum als, Selektion vom Einfachen zum Komplexeren, gilt, gelten die Regeln genauso für den Homo Sapiens wie für alle Lebewesen dieser Welt. Ich würde sogar weiter gehen und Evolution auch für die tote Materie zur Grundlage machen. Am Anfang des Universums gab es nur einige wenige Elemente, die sich im Laufe der Jahrmillionen durch Selektion zu den heutigen, im Periodensystem aufgeführten, entwickelten. Auch bei Mineralien kann man diesen Prozess beobachten.
(Quelle: https://meinungundbericht.com/wp-content/uploads/2024/08/20240819-gantefoer-neues-naturgesetz-e28093-kopie.pdf)
Wenn man dem Gedanken der Evolution folgen kann, sagt das auch etwas über die Wertigkeit des menschlichen Lebens aus. Denn dann sind Menschen nur eine weitere Variante der Lebensvielfalt auf diesem Planeten. Folglich würde sich die Sinnfrage auch für die gesamte lebende und tote Materie stellen, oder … gar nicht.
Evolution als solche ist wertfrei. Evolution entwickelt Mutationen eines bestehenden Zustandes, die zunächst sowohl positive als auch negative Auswirkungen für das System haben können. Die für das Überleben positivere Variante wird sich eher durchsetzen, während die negative wahrscheinlich untergehen wird.
Demnach ist das Leben der Menschen, als Teil der Evolutuon, grundsätzlich ebenso wert- wie auch sinnfrei!
Seitdem der Mensch ein Bewusstsein über sich und seine Existenz entwickelt hat, entwickelte er aber das Bedürfnis sich in dieser einzuordnen. Der einzelne Mensch war den Gefahren der Natur vergleichsweise schutzlos ausgeliefert. Überfälle von Raubtieren und zerstörende Naturgewalten haben lange Zeit den Gang der Menschwerdung nachhaltig bestimmt. Diesen Unbilden konnte er sich erst durch Bildungen von Solidargemeinschaften, Aufgabenverteilungen, exklusive Nutzung von Ressourcen und der Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen erfolgreich entgegenstellen.
Jeder Mensch hat in einer solchen Solidargemeinschaft eine Aufgabe und eine Stellung, der er gerecht werden muss, soll nicht das gesamte Gefüge leiden. Das führte zu einer Sinnzuordnung des Wirkens eines Individuums und von Teilgruppen. Sollten diese ihren zugewiesenen Aufgaben nicht nachkommen, musste es Sanktionsmittel geben, um restriktiv auf die Aufgabenerfüllung drängen zu können. Hier kommen dann auch Moralvorstellungen ins Spiel. Sie beschreiben, was man als Mitglied einer Familie, Sippe oder anderen Gemeinschaft darf oder machen sollte, oder eben nicht. Sie sind das weichere Mittel gegenüber Strafandrohungen bei Fehlverhalten. Religionen sind in diesem Zusammenspiel ein probates Mittel, weil sie ungemein effizient darin sind, Machthabern eine unangreifbare Legitimation für die Einsetzung und Verfolgung ihrer ureigenen Interessen und den dazughörigen Verhaltensregeln zu bietet und diese mittells zum Teil drakonischer Strafen unangefochten durchzusetzen.
In diesem Kontext stellt sich dann sehr wohl die Sinnfrage des Lebens für das Individuum, Gesellschaftsgruppen oder auch für die gesamte Gesellschaft. Will man z.B. ein wertvolles Mitglied seiner Gesellschaft sein und ordnet sich deren Regeln unter, oder profitiere man von deren Errungenschaften ohne oder lediglich durch minimale Beteiligung und konzentriere sich selbst auf seinen eigenen Vorteil oder angenehmes und lustvolles Leben, weil es die Gesellschaft in irgendeiner Nische ermöglicht?
Diese Gedanken bestärken mich in meiner Meinung, dass die menschliche Existenz an und für sich genauso sinnlos ist, wie die Existenz eines anderen irdischen Lebewesens, eines Meteoriten oder sogar des gesamten Universums!
Lebenssinn muss sich der unvollkommene Mensch folglich für sich und die ihn umgebende Natur aus seinen eigenen Ängsten, Nöten und seiner Machtgier selbst geben, den er dann auch wieder in Frage stellen kann, ohne damit das natürliche System als solches in Frage zu stellen.
Hier schließt sich der Kreis zu den oben beschriebenen Ansätzen der Philosophen und Psychologen. Das erklärt auch, warum die Hervorhebung eines möglichen Sinns der menschlichen Existenz nahezu beliebig ist. Sie hängt davon ab, in welchem Kulturkreis, in welchem Machtbereich und welcher zeitlichen Einordnung dies geschieht. Darin gleicht die Zuschreibung einer Sinnhaftigkeit sehr stark dem Lebenszirkel von Religionen und anderen Weltanschauungen. In gewissen räumlichen und zeitlichen Bereichen kommen sie zur Blüte, um irgendwann wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, mit ihren „Priestern“ zu sterben und meist auch in Vergessenheit zu geraten. So wie früher oder später alles von Menschen gemachtes und erdachtes.
Nur die Evolution bleibt, denn nichts ist so beständig wie die Veränderung! Bis zum Beweis des Gegenteils.
Das sagt ChatGPT zu diesem Thema:
Die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ gehört zu den ältesten und tiefgründigsten der Menschheit. Es gibt keine eindeutige, universell gültige Antwort – die Antwort hängt stark davon ab, aus welcher Perspektive (philosophisch, religiös, wissenschaftlich oder existenziell) man sie betrachtet. Hier ist ein Überblick mit seriösen Quellen zu den wichtigsten Ansätzen:
1. Philosophische Perspektiven
a) Existenzialismus (Sartre, Camus)
Der Existenzialismus geht davon aus, dass das Leben keinen objektiven, vorgegebenen Sinn hat – der Mensch muss sich seinen Sinn selbst erschaffen.
Jean-Paul Sartre: “Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt” – wir sind verantwortlich, unserem Leben Bedeutung zu geben. Quelle: Sartre, Das Sein und das Nichts (1943) Albert Camus: Das Leben ist „absurd“, aber gerade darin liegt seine Schönheit. Die Rebellion gegen die Sinnlosigkeit ist selbst ein Sinn. Quelle: Camus, Der Mythos des Sisyphos (1942)
b) Antike Philosophie
Aristoteles sah den Sinn des Lebens im Erreichen des „eudaimonia“ (Glückseligkeit durch tugendhaftes Leben). Quelle: Aristoteles, Nikomachische Ethik Epikur: Sinn liegt in der Lust – nicht im hedonistischen, sondern im rationalen, maßvollen Genuss. Quelle: Epikur, Brief an Menoikeus
2. Religiöse Perspektiven
a) Christentum
Der Sinn des Lebens besteht darin, Gott zu dienen, zu lieben und ewiges Leben zu erlangen. Quelle: Bibel, z. B. Matthäus 22:37–39; Johannes 3:16
b) Buddhismus
Kein fester “Sinn”, sondern Ziel ist Befreiung vom Leid (Dukkha) durch Erleuchtung (Nirwana). Quelle: Vier Edle Wahrheiten, Pali-Kanon
c) Islam
Sinn ist die Dienerschaft zu Gott (Allah) und die Vorbereitung auf das Jenseits. Quelle: Koran, Sure 51:56 – „Ich habe die Dschinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mir dienen.“
3. Wissenschaftlich-naturalistische Perspektive
Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen objektiven Sinn, nur evolutionäre Prozesse.
Richard Dawkins: Leben ist ein Produkt der natürlichen Selektion; Sinn entsteht durch unsere eigenen Entscheidungen. Quelle: Dawkins, Das egoistische Gen (1976) Bertrand Russell (Philosoph, Rationalist): Der Mensch muss in einem sinnlosen Universum seinen eigenen Sinn finden. Quelle: Russell, A Free Man’s Worship (1903)
4. Psychologische Perspektive
a) Viktor Frankl – Logotherapie
Sinn ist nicht gegeben, sondern wird entdeckt, oft durch Leiden, Arbeit oder Liebe. Quelle: Frankl, …trotzdem Ja zum Leben sagen (1946) Frankl überlebte Konzentrationslager und betont die individuelle Sinnfindung als Überlebenshilfe.
Fazit: Gibt es den Sinn des Lebens?
Objektiv/universell? Wahrscheinlich nicht – keine empirisch beweisbare Antwort.
Subjektiv/individuell? Ja – Sinn kann und sollte persönlich gefunden werden.
