Hunger II

„Satt“ heißt aufhören … und nicht weiteressen!


Völlig überraschend kommt diese „neue“ Erkenntnis:
Wirklich entscheidend für eine bessere Ernährung ist die MENGE, die man zu sich nimmt.

… und das hat tatsächlich jeder selbst in der Hand und zu verantworten!

Frühstückt man als Tourist in einem englischen Hotel ein typisches „English Breakfast“, wird man gewarnt: Fast immer ist die erste Frage: „Haben Sie Allergien?“. Gründliche Mitarbeiter fragen zusätzlich nach Gluten- oder Laktoseunverträglichkeiten (beides keine Allergien). Die Vorsicht ist groß.
Vor den Kalorien allerdings wird nicht gewarnt.


Das typische englische Frühstück ist eine Ansammlung von Fett und Zucker. Sehr fett sind Wurst, Bacon und Ei. Und zuckersüß ist die rote Soße, in der die Bohnen schwimmen – eine doppelte Kalorienbombe schon am frühen Morgen.
Aber das ist kein bloßes Problem der Briten. Wer in deutschen Brau- und Gasthäusern sowie interkontinentalen Fastfoodketten verkehrt, kennt die dort angebotenen XXL-Portionen und die Menschen in XXXL-Kleidung vor den Portionen.

Die Vorsicht bei Allergien ist vordergründig natürlich gut. Aber bei genauerer Betrachtung: Wer eine Allergie hat, weiß in der Regel davon und fragt von sich aus nach, ob ein Gericht etwa Spuren von Erdnüssen enthält. Wer es nicht weiß, dem nützen auch die Warnhinweise nichts. Die Vorsicht ist also weniger sachlich-medizinisch begründet als juristisch: Wenn gewarnt wurde, ist die Küche nicht mehr haftbar.

Umgekehrt ist es beim fetten Essen und XXL-Portionen: Hier wäre eine Warnung sehr berechtigt. Obwohl das, zumindest bei der Größe der Portionen, auch ohne diese Warnung äußerst offensichtlich ist.
Große Portionen, insbesondere mit viel Fett und viel Zucker, heißt auch: viele Kalorien. Die machen selbstverständlich dick, was eigentlich keiner Erklärung bedürfte. Das Ergebnis kann man dann in den Straßen Englands und den der meisten anderen Nationen bestaunen.
Fettleibigkeit ist mittlerweile, von einigen Ausnahmen abgesehen, weit verbreitet.
Der fehlende Warnhinweis würde etwa lauten: „Haben Sie ein Gewichtsproblem? Dann sollten Sie das traditionelle englische Frühstück sowie das XXL-Menü meiden und eher ein „Continental Breakfast“ oder eine „Kinderportion“ zu sich nehmen!“
Das geht natürlich nicht, weil Nudging verpönt ist. Aber es wäre äußerst sinnvoll!

Überall wird sehr viel über das richtige Essen gesprochen. Über die beste Tageszeit, über den optimalen Anteil von Eiweißen oder Fetten oder Kohlenhydraten. Und das dann auch noch abhängig von Geschlecht, Alter, Beruf oder Blutgruppe. Vieles davon ist richtig und wichtig, vieles ist aber auch Unsinn. Ein entscheidendes Kriterium für eine bessere Ernährung ist dagegen die Menge.
Die Menge des Essens zu regeln ist, von wenigen medizinischen Ausnahmen abgesehen, nicht nur theoretisch ganz leicht: Der Körper selbst sendet nämlich nach dem Signal „HUNGER“ normalerweise auch das Signal „SATT“.

Und das heißt: NICHT WEITERESSEN
!
(Auch wenn es noch so lecker ist.)

Es sei denn, man hat sich dieses Signal durch permanente Nichtbeachtung selbstverantwortlich und mühselig abtrainiert.

Ernährung ist leider zu einer komplizierten Wissenschaft verkommen: Sicherheit statt Genuss, Warnungen statt Empfehlungen. Das ist bedauerlich: Denn fast alle Lebensmittel sind in Maßen genossen durchaus gesund, zumindest nicht gefährlich. Hier gilt wie so oft:
Die Menge macht das Gift!
Das gilt sowohl für das English Breakfast als auch für die XXL-Portionen: Probieren Sie es aus und bestellen einfach mal „Ein-halbes-English Breakfast“ oder den „Kinderteller“.
Beim Selbstversuch war ich überrascht, was einem dann immer noch angeboten wird.

(In Anlehnung an einen Artikel von Dr. Markus Heier, im Kölner StadtAnzeiger, vom 31.08.2026)