Politik

Das System Trump/Musk seit 2025:
Wer ist wessen Marionette und warum

Seit 2025 hat das System Trump/Musk bedeutende Veränderungen in der globalen Machtstruktur bewirkt. Die werteorientierte Weltordnung, die jahrzehntelang für Stabilität und Frieden sorgte, wird systematisch untergraben und destabilisiert. In dieser neuen Ära der Machtpolitik brüskieren Trump und Musk die traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten und schaffen neue Allianzen mit autoritären Regimen, insbesondere mit Wladimir Putin.

Zerstörung der Werteorientierung

Mit der Machtübernahme durch Trump und Musk begann ein intensiver Wandel in der geopolitischen Landschaft. Anstatt die Weltordnung auf universellen Werten wie Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu stützen, verfolgen sie eine Strategie der Machtausübung ohne Rücksicht auf traditionelle Werte und Regeln. Das Entscheidende sind nun wirtschaftliche und militärische Machtmittel, die die bisherigen Normen und Prinzipien ersetzen.

Brüskierung der Verbündeten

Ein markantes Kennzeichen dieses neuen Systems ist die Entfremdung von traditionellen Verbündeten. Besonders Europas liberalen Demokratien geraten unter Druck, da sie sich nicht nur von der amerikanischen Sicherheitsgarantie entzogen sehen, sondern auch von einer zunehmend isolierten und eigeninteressierten US-Politik. Die transatlantische Partnerschaft, einst eine tragende Säule des westlichen Bündnisses, wird durch einseitige Entscheidungen und aggressive Handelspraktiken untergraben.

Trump und Musk verfolgen eine Politik, die oft gegen die Interessen der NATO und der Europäischen Union gerichtet ist. Die Abrüstung und die Reduzierung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa haben diese Länder machtpolitisch weitgehend schutzlos gemacht. Gleichzeitig setzen sie auf bilaterale Deals und Verhandlungen über die Köpfe der Europäer hinweg, was das Vertrauen und die Kooperation zwischen den USA und ihren europäischen Partnern erheblich geschwächt hat.

Neue Allianzen

Parallel zur Entfremdung von westlichen Verbündeten haben Trump und Musk ihre Zusammenarbeit mit Russland intensiviert. Sie sehen in Putin einen potenziellen Partner im globalen Machtspiel, besonders im Kontext des Wettbewerbs mit China. Die Möglichkeit einer strategischen Allianz zwischen Washington und Moskau wird als Instrument gesehen, um die Machtbalance insbesondere im Indo-Pazifik zu beeinflussen.

Diese neue Nähe zu Russland hat weitreichende Folgen für die globale Sicherheitsarchitektur. In Moskau sieht Washington einen möglichen Verbündeten gegen Peking, und die politische Annäherung der beiden Großmächte auf Kosten der europäischen Sicherheit wird immer deutlicher. Dabei besteht die Gefahr, dass geopolitische Entscheidungen zu territorialen Zugeständnissen und zu einer neuen Aufteilung der Einflusssphären führen, was insbesondere für Länder wie die Ukraine eine prekäre Situation schafft.

Putin sieht hingegen, dass die Zeichen der Zeit günstig stehen, um seine Machtansprüche, sein politisches Erbe und sein eigenes Überleben zu sichern. Für ihn gehört ein militärisch schwaches Europa zum Einflussbereich eines Russlands, das laut These von Herfried Münkler, deutscher Politikwissenschaftler und emeritierter Professor der Humbolt-Universität zu Berlin, ein anti-westliches Eurasien anstrebt, das von Lissabon bis Wladiwostok reicht. Im Machtpoker gegen Trump ist Putin der versiertere Spieler und sichert seine Vorteile.
Das wiederum scheint Trump nicht zu stören, solange er nur seine eigenen Deals durchziehen kann. Musk zieht derweil, wie der Joker aus dem gleichnamigen Thriller von Todd Phillips, seine zerstörerische Spur durch die USA und das Weltgeschehen und lässt auf den ersten Blick nur Ratlosigkeit zurück.

Europa in der neuen Machtordnung

In dieser neuen Weltordnung sieht sich Europa einem zunehmenden Druck ausgesetzt, seine Sicherheits- und Außenpolitik grundlegend zu überdenken. Die Europäische Union muss sich von der Vorstellung einer reinen Geoökonomie lösen und sich den Gesetzen der Geopolitik anpassen. Herfried Münkler betont in seinen Analysen die Notwendigkeit einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit und eines strategischen Denkens, das weit über nationale Eigeninteressen hinausgeht.

Deutschland, Frankreich und Polen stehen dabei im Mittelpunkt der Bemühungen, eine führende Rolle in Europa einzunehmen. Münklers Vorschläge einer Wiederbelebung des Weimarer Dreiecks und eines gemeinsamen europäischen Oberbefehlshabers sind Ansätze, die die Handlungsfähigkeit und Widerstandskraft Europas stärken sollen.

Herausforderungen für die deutsche Politik

Deutschland, aufgrund seiner Lage, Größe und Wirtschaftskraft eine zentrale Figur in diesem Szenario, steht vor der Aufgabe, seine strategische Ausrichtung zu überdenken. Es gilt, das Verhältnis zu Frankreich und Polen zu stabilisieren und die europäischen Interessen und Werte in den Vordergrund seiner Politik zu stellen. Dies erfordert eine langfristige Perspektive und ein entschlossenes Handeln, um den Herausforderungen der gegenwärtigen Anarchie in der internationalen Staatenwelt zu begegnen. Auch aus diesem Grund wurden jetzt noch im alten Bundestag Milliarden Kredite genehmigt, was die europäischen Verbündeten mit Freuden wahrgenommen haben.

Aber was treibt Trump an?

Einfuhrzölle scheinen für Donald Trump das Allheilmittel gegen den vermeintlichen Verfall der USA zu sein. Mit seinem eratischen Handeln stürzt er die Börsen ins Bodenlose, die Inflation steigt, Investitionen gehen zurück und Gegenzölle verteuern und verknappen das Angebot. Etliche Wirtschaftsfachleute bescheinigen ihm mindestens eine eklatante wirtschaftliche Ahnungslosigkeit. Das „Wall Street Journal“ bezeichnen sein Vorgehen als den „dümmsten Handelskrieg der Geschichte“.

Trump scheint das wenig zu stören. Er sprach vor dem Kongress von „kleinen Störungen“ auf dem Weg zum Ziel. Selbst eine Rezession nimmt er auf dem Weg zur Restrukturierung der Supermacht USA billigend in Kauf.
Dafür müssen die globalen Handelssysteme zurechtgebogen werden. Sein Plan ist letztendlich, den Dollar abzuwerten, um die amerikanischen Ausfuhren auf dem Weltmarkt Vorteile zu verschaffen. Das soll weitreichende Investitionen innerhalb der USA nach sich ziehen, was zusätzliche Gewinne und Steuern sprudeln lassen würde. Nach seiner Theorie würden infolgedessen die Zinsen sinken und damit einen weiteren Impuls für Investitionen setzen, was wiederum zusätzliche Steuereinnahmen aus Umsatz und Gehältern generieren würde. Mit den daraus erwachsenden enormen Haushaltsüberschüssen könnten die negativen Auswirkungen für die amerikanischen Verbraucher ausgeglichen werden. Man muss nur eine anfängliche Durststrecke durchstehen. Soweit seine Theorie.
Die Abwertung des Dollars müsste aber gegenüber den Inhabern amerikanischer Schuldverschreibungen durchgesetzt werden. Wie ruppig Trump dabei vorgehen würde, wurde uns im Umgang mit der Ukraine, Kanada, Mexiko und Europa ganz aktuell vorexerziert. Auch seine Ideen Grönland, Kanada und den Panama-Kanal zu annektieren zeigen, wie skrupellos und selbstsüchtig und unter Außerachtlassung aller geltenden internationaler Verträge uns Gepflogenheiten er vorgehen will.

1985, in Zeiten des kalten Krieges, wurde die Abwertung des Dollar mit dem „Plazza Accord“ schon einmal durchgezogen und ist bereits damals letztendlich krachend gescheitert.
Sein Plan sollte heute aber noch schwerer umsetzbar sein. Die ökonomischen Interessen zu vieler Wirtschaftsmächte stehen dem entgegen. Insbesondere China, einer der größten Inhaber amerikanischer Geldmarktpapiere, wird sich nicht so schnell am Nasenring durch die Weltgeschichte ziehen lassen.

Es scheint so zu sein, dass Trump keinem stringenten Strategiepapier folgt, sondern nach seinem Gusto dem MAGA-Ziel (Make-Amerika-Great-Again) entgegen irrlichtert. So ähnlich umschreibt Gary Hufbauer, Senior Fellow am Peterson Institut for International Economics (PIIE) und ehemaliges Mitglied der Führungsriege des amerikanischen Finanzministeriums, Trumps Vorgehen. Dabei scheue er auch nicht davor zurück mit Putin und anderen Autokraten gemeinsame Sache zu machen, solange es ihm und seinem Firmenimperium zum Vorteil gereicht.
Der Ausgang ist, von kurzfristigen Erfolgen abgesehen, höchst ungewiss. Ob er dem ausgefuchsten Putin gewachsen ist, scheint sehr fraglich. Robert Koopman, ehemaliger Chefvolkswirt der Welthandelsorganisation (WTO), ergänzt: Da Trump grundlegende Realitäten des globalen Handelns ignorieren würde, sei der Erfolg sehr fraglich. Die Kosten würden sich langfristig für alle Beteiligten erhöhen und den internationalen Handel, auch zum Schaden der USA, abwürgen.
Zumal sich der Rest der Welt Wege suchen wird, an den USA vorbei neue Handelsbeziehungen zu knüpfen, um wieder vertrauenswürdige Lieferketten zu installieren.

Ganz „nebenbei“ inszeniert sich der Egomane Trump als Friedensengel für die Ukraine und schielt nach dem ihm doch wohl endlich zustehenden Friedensnobelpreis. Steht ihm jemand im Weg, wird er, wie der ukrainische Präsident, verbal platt gemacht und wahrheitswidrig als Kriegstreiber denunziert. Selbst wenn dieser sich nachgewiesenermaßen nur gegen Putins Angriffskrieg wehrt.
Um sich zu rechtfertigen, stellt Trump, der Herr der Fake-News, selbst den Lügenbaron Münchhausen in den Schatten. Skrupellos werden politische, geschichtliche und ökonomische Tatsachen verbogen. Misserfolge werden umgedeutet und mäßige Erfolge zu grandiosen Taten hochstilisiert. Man verschiebt schon einmal das Komma im Zahlenwerk in eine genehme Richtung, damit z.B. aus eingesparten Millionen schillernde Milliarden gemacht werden können.

Die Glaubwürdigkeit der freien Welt wird hierdurch leichtfertig untergraben. Eine Blaupause und Rechtfertigung für die abwegigen Gedanken und Handlungsweisen unsere AfD und deren Protagonisten zur Machtergreifung.
Trump hat verstanden durch seine wilden Drohungen und die von ihm gebilligten Aktionen von Musk und seinem DOGE ( Department of Government Efficiency ) eine „Gleichschaltung“ der amerikanischen Presse, der politischen Opposition und der Gesellschaft zu erreichen. Niemand erhebt laut seine Stimme gegen diesen Wahnsinn. Alle fürchten den langen Arm von Trump und seinem Schergen Musk, als wenn es bereits zu spät wäre für die US-Demokratie.

Welche Rolle spielt Musk

Musk, das erfolgsverwöhnte Enfant Terrible der Regierung Trump. Mit der Kettensäge werden ganze Strukturen der amerikanischen Administration von seinen Effizienz-Schergen der DOGE, ohne Ansehen von Personen, Verträge, Gesetze und manchmal sogar (wohl eher versehentlich) von Eigeninteressen der sich Trump anbiedernden Milliardärsclique, zerstört. Nach eigener Aussage gehe es ihm darum, „Verschwendung, Betrug zu eliminieren und das Staatsdefizit zu beheben“.

Seine rigide Vorgehensweise verstört mittlerweile selbst eingefleischte Trumpwähler, von denen etliche zu den tausenden willkürlich entlassenen (und dann zum Teil doch wegen Unabkömmlichkeit wieder flott eingestellten) Mitarbeitern der Instanzen gehören dürften.  Die Aktienkurse und Verkaufszahlen von Tesla, seinem Renomierobjekt, purzeln ins Bodenlose.

Aber das ist alles nichts, wenn man aufmerksam liest und zuhört was er zu sagen hat.
In seinen Augen ist Empathie eine der größten Schwächen der westlichen Gesellschaft.
Das hat er in seinem eigenen Imperium durchexerziert. Alles muss sich der Effizienz und seinen langfristigen Zielen unterordnen.  Bei Twitter traf es ca. 80% er Belegschaft.
Sein Biograf, Walter Isaacson, beschreibt den Musk-Algorithmus wie folgt:
1. Jede Vorgabe hinterfragen.
2. Abschaffen, was nicht zwingend nötig ist.
3. Vereinfachen und optimieren was geht.
4. Durchsatz beschleunigen.
5. Automatisieren, wo und was immer geht.

Sein wirtschaftlicher Erfolg hat ihm weitgehend recht gegeben. Dabei geht er über Leichen und nimmt ggf. sogar den eigenen Misserfolg in Kauf. So z.B., als er 500 Mitarbeiter als der Tesla-Ladeinfrastuktur kurzerhand entließ, weil im das ausgewiesene Sparpotential zu gering erschien. Diese Entscheidung wirft in bis heute zurück.

Der Zweck heiligt die Mittel. Auch wenn man es nicht glauben mag, aber sein eigentliches Ziel ist nichts geringeres als „die Rettung der Menschheit“. Er hat das mit folgenden Worten umschrieben: „Ich tue alles, um die Zivilisation zu bewahren, sie zu verbessern, sie zu retten.“
Das muss man erst einmal auf sich wirken lassen.

Unter diesem Aspekt erscheint sein Tun in einem ganz anderen Licht. Mit dem Bau von Elektroautos, Raketen und Satelliten will er die Überlebenschancen der Menschheit erhöhen. Diesem Ziel folgt er auch, wenn er die Administration schleift und dadurch Steuersenkungen in Höhe von 4,5 Billionen Dollar finanzieren will.
Als philosophische Grundlage dafür zitiert er das Konstrukt von Nick Bostrom und William MacAskill, das „Longtermism“ (zu deutsch: Langfristdenken).
Letztendlich bedeutet das, dass wir unsere derzeitigen Probleme, auch unter Inkaufnahme von ggf. enormen „Kollateralschäden“, in den Griff bekommen müssen, um zukünftigen Generationen ein interplanetares Überleben zu garantieren.

Da muss man schon wieder schlucken und eine Denkpause einlegen.

Angesichts solcher Denkmodelle verlieren unsere täglichen großen und kleinen Katastrophen (Tornados, Hungerkatastrophen, Kriege ja selbst die Klimakatastrophe oder sogar ein möglicher Einschlag eines Asteroiden) natürlich jegliche Relevanz und erklären endlich den Hintergrund für das rücksichtslose Handeln von Musk. Die Welt darf zu Grunde gehen und Millionen Dollar für NGO‘s und Sozialsysteme sind verschwendete Ressourcen, wenn man bis zum Showdown nur so weit ist, dass man auf andere Planeten ausweichen kann. Sei es als unsere Nachkommen oder auch „nur“ als geistiger Inhalt für einen Androiden, der über zukünftige Jahrmillionen seine Erfahrungen unendlich erweitern, duplizieren, vererben und sich selbst optimieren kann. Nach diesem Denkmodell wäre auch die Rettung in einen künstlichen „Körper“ eine Sicherung des menschlichen Überlebens.

Folgerichtig investiert Musk in Zukunftstechnologien, die diesen Zielen den Weg ebnen, wie Space X (Raumfahrt), Neuralink (Vernetzung Computer/Mensch), XAI (künstliche Intelligenz). Wer sich diesen Bestrebungen in den Weg stellt, z.B. durch ineffizientes Arbeiten, Einschränkungen durch Behörden, Datenschutz o.ä., muss weg.

Wenn man dieser Denkweise folgen kann und will, machen die auf den ersten Blick empathiefreien Aktionen vom Musk Sinn. Aber auch nur dann. Alle Anderen dürften zutiefst verstört sein.

Abschließend muss die Frage gestellt werden, wer hier eigentlich das Sagen hat und wer wessen Marionette ist.

Fazit

Das System Trump/Musk hat die weltpolitische Landschaft grundlegend verändert. Die werteorientierte Weltordnung wird durch eine machtbasierte Politik und die Idee des Longtermism verdrängt, die traditionellen Verbündeten werden brüskiert und neue Allianzen mit autoritären Regimen wie Russland geschmiedet.
Auf dieser Bühne haben sich einige Protagonisten getroffen, deren Ziele unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie verfolgen diese aber gnadenlos und unter Außerachtlassung jeglicher emphatischen Ansätze.

Trump will sich bereichern, Musk will die Menschheit retten und Putin weiß, dass er nur überleben kann, solange er oder sein System obsiegt.

Europa muss sich diesen Herausforderungen stellen und eine kohärente und strategische Antwort finden, um seine Sicherheit, Stabilität zu gewährleisten und unsere werteorientierte Lebensweise zu retten.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/musk-doge-faq-100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Herfried_M%C3%BCnkler
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/trump-bilanz-uswahl-fakenews-101.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Longtermism
NZZ am Sonntag, vom 16.03.2025
Kölner Stadt-Anzeiger, vom 17.03.2025