Gedanken zum Missbrauchsbericht der ev. Kirche
1. Haben Geistliche eine gewisse Disposition zum Missbrauch?
Bezug: https://meinungundbericht.com/religion/19/
Auf Grund eines Hinweises einer Leserin meines Berichtes möchte ich folgende Gedanken aufgreifen.
Wen wundert es, wenn man in der IT-Abteilung eines großen Unternehmens eher introvertierte Nerds antrifft als in einer Werbeagentur und anders herum?
Will heißen: Der Berufswunsch, das Berufsbild und der Weg zum ausgeübten Beruf selektiert im Vorfeld Menschen, die eine ähnlichen Persönlichkeitsstruktur, Disposition und/oder Neigung haben.
Wenn man diesen Gedanken zu Grunde legt, ist die Schlussfolgerung, dass die bei den Kirchen vorgefundenen Missbrauchsvorfälle ein gesamtgesellschaftliches Phänomen widerspiegeln nicht mehr so zwingend wie es Herr Pollack annimmt.
Was, wenn gerade die Berufswahl und der Weg zu einem Geistlichen bereits Selektion genug ist, um Menschen mit Neigungen zum Missbrauch zusammenzuführen und diese Neigung auch weiter auszubilden?
Der Gedanke ist bestechend.
Menschen, die sich quasi widerspruchslos von einem imaginären Wesen leiten lassen, dessen Existenz nur auf Glaubensgrundsätzen beruht.
Menschen, die sich entweder obrigkeitshörig (katholisch) oder aus Gruppenzwang (evangelisch und katholisch) Regeln und Riten unterwerfen, die zum Teil an Unsinnigkeit kaum zu überbieten sind.
Menschen, die sich dem Weltbild unterwerfen, dass die allein selig machende Erkenntnis der Wahrheit ihrer Kirche über allem steht (auch der irdischen Rechtsprechung).
Menschen, denen jede Moralvorstellung zuwider ist, die nicht gottgegeben ist und deren eigenen, da von Gott gegeben, jeglichem Legitimationszwang enthoben sind.
Ist dann den irdischen Vertretern im Namen dieses einzigen wirklichen Gottes alles erlaubt, weil vorbestimmt und offensichtlich gottgewollt?
Falls Zweifel aufkommen wird kurz gebeichtet (katholisch) und ggf. der Ort des Geschehens gewechselt (katholisch und evangelisch) und der Samen und die züchtige Ordnung dieses Gottes wird weiter verbreitet.
Vor allem aber ist der Namen Gottes, die Reputation der Kirche und ihrer Vertreter wichtiger als jedes irdische Leid, weil ja sowieso alle durch das Jammertal dieser Welt gehen müssen um eine Eintrittskarte zum imaginären Ziel aller Gläubigen, dem Paradies, zu bekommen?
Die Ungläubigen landen sowieso in der Hölle, geschändet oder nicht! Wie schon die Inquisition seit dem Mittelalter vorführt.
Sind diese verzerrenden Selektionsbedingungen bei den bisherigen Ausarbeitungen bedacht worden?
Ich habe große Zweifel!
2. Stehen die abrahamitischen Religionen sowieso vor ihrem Ende?
Im Laufe seiner Entwicklung hat sich der Mensch bereits vielen Göttern unterworfen. Jedes Mal haben sich um diese Götter Mythen gebildet und zur Besänftigung dieser Göttern wurden zum Teil unsägliche Riten zelebriert. Alles, um die eigenen Ängste zu beschwichtigen, sich vermeintliche Stärken zu sichern und/oder andere zu unterwerfen. Unzählige Menschenopfer wurden auf grausamste Weise erbracht. Millionen von Tiere wurden geopfert und bis zur heutigen Zeit Riten abgehalten, die bei Lichte betrachtet kaum nachvollziehbar sind. Da werden z.B. für Wohlverhalten Jungfrauen versprochen oder Leib und Blut des Gottes zeremoniell kanibalisiert.
Aber was ist aus all diesen Göttern geworden, die unbedingten Gehorsam verlangten und bei Nichtbefolgung grausame Strafen angedroht haben?
Allesamt verschwunden, als die zugrunde liegenden Zivilisationen ebenfalls abgetreten sind und nichts ist geschehen. Kein Armageddon, kein Leuchten am Himmel oder Posaunen zum „Jüngsten Tag“ und keine Wiederauferstehungen oder rächenden Heerscharen.
Gäbe es keine archäologischen Artefakte, wären ausnahmslos alle Götter neben ihren Dschinn, Engeln, Teufeln, Höllen und Paradiesen der Vergessenheit anheim gefallen. Oder existieren jetzt irgendwo irgendwelche Orte an denen die Verstorbenen Gläubigen vergessen ihrem eiwg dauernden Zerfall entgegensehen oder sind doch alle an einem Ort, der nur verschiedene Namen trug oder … alles nur Quatsch und Gedankenmodelle der jeweiligen Zivilisation, um sich das irdische Dasein zu erklären, erträglicher zu machen und die Menschen fügsamer und beherrschbarer sein zu lassen.
Es kann jetzt spekuliert werden, ob erst die Abwendung von den Göttern stattfand und dann die Zivilisation „zur Strafe“ unterging, oder die Zivilisation bei ihrem Untergang ihre Götter mitriss.
Etliche Götter sind allerdings einfach mit der Mode gegangen. Sie wurden in neue Kleider gehüllt und so konnten sie ihr Unwesen weiter treiben. Teilweise bis heute.
In der westlichen Welt wenden sich immer mehr Menschen von ihrem Gott ab. Zum Teil getrieben von den unsäglichen Verfehlungen seiner irdischen Vertreter, die immer noch hofften dass alles unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit bliebe oder, wie seit Jahrhunderten, bei Androhung der Inquisition zum Schweigen gebracht würde.
In Deutschland und einigen anderen Staaten ist es bereits ein großer Teil oder sogar die Mehrheit der Bevölkerung, die sich besinnen. Also im wahrsten Sinne des Wortes ihre Sinne nutzen und hinterfragen, ob sie jetzt nicht die längste Zeit hinters Licht geführt wurden.
Wir dürfen gespannt sein, was nun passiert. Mildere Entwicklungen sind aus der Betrachtung der Geschichte ja auszuschließen.
Es droht also die Maximalstrafe, nämlich der Untergang unserer Zivilisation. Es kokelt ja bereits an allen Ecken und Enden (Kriege, Despoten, Klimakatastrophe, Artensterben, Umweltverschmutzung, Pandemien usw.)
Aber halt … in Asien, Afrika, Amerika, der islamischen Welt usw. gibt es ja noch jede Menge Gläubige. Werden sie schon wieder von der abrahamitischen Sintflut unschuldig mitsamt den abgefallenen Gläubigen hinweggespült? Schade, doch schon wieder dem falschen Gott gefrönt?
Oder ist der Glauben an Gott doch nur Quatsch und nur ein Hirngespinst ängstlicher Menschen und machtbesessener Eliten?
Trägt jede Zivilisation vielleicht ihr eigenes Zerfallsdatum in ihrer DNA?
Wir werden es leider oder „Gott sei Dank“ nicht mehr erleben, da unserer Lebensspanne erdgeschichtlich gesehen nur ein „Fliegenschiss“ ist. Da hilft auch kein Glaube!
