Religionen … Fortführung_1

Kirche verlieren 2025 eine Millionen Mitglieder

Zunächst einmal muss man ganz neutral fragen, wieso diese Entwicklung – massiver Mitgliederschwund der Kirchen – im öffentlichen Leben nicht den Widerhall findet, den man erwarten dürfte?

Es ist doch eigentlich normal, dass eine „Partei“ in einem Parlament entsprechend ihrem Rückhalt in der Bevölkerung vertreten ist. Nur bei den Kirchen ist das anders. Es hat noch keine Konsequenzen gegeben. In keinem Rundfunkrat oder anderen Einrichtung ist der Einfluss der Kirchen reduziert worden. Ebenso sind die Berichterstattung in den Medien und die öffentlichen Auftritte von Politikern immer noch recht salbungsvoll. Vertreter der Kirchen werden hofiert und überall in Entscheidungen eingebunden.

Ich denke, wir haben einem Punkt erreicht, an dem einige Fragen beantwortet werden müssen. Dabei ist zu beachten, dass wir eine grundgesetzlich geschützte Religionsfreiheit (Art 4 GG, iVm 140 GG und 136 ff WRV) haben und wir in keinem säkularen Staat leben.

Die Gesellschaft unterliegt aber evolutionären Veränderungen, denen man auch in der Rechtssystematik Rechnung tragen muss. Nichts Anderes passierte z.B. bei der Beurteilung des assistierten Suizid, den Abtreibungsregelungen, bei der Einführung des Datenschutzrechtes oder bei der ganz aktuellen Anpassung des Kartellrechtes. Die Gründungsväter der Bundesrepublik hatten aber nicht ohne Grund die Änderungen der grundsätzlichen Strukturen des Gemeinwesens, die im Grundgesetz hinterlegt sind, unter einen ganz besonderen Schutz gestellt. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben das geboten. Kurzfristige Anpassungen an den Zeitgeist und Versuche den Staat zu unterlaufen sollten auf diese Weise verhindert werden. Soweit so gut!

Wenn aber Institutionen, wie die Kirchen, das ihnen entgegengebrachte Vertrauen auf das Schändlichste missbrauchen, sich das in geschichtlichen Zeiträumen in erschreckender Weise wiederholt (grausame Forderungen aus der Bibel, Verfolgung Andersgläubiger, Hexenverbrennung, Missbrauch usw.) und die Menschen sich von diesen Institutionen immer weiter abwenden, ist die Zeit zum Handeln gekommen.

Die kirchliche Bindung der Bevölkerung ist maßgeblich unter 50% gesunken und wer von den verbliebenen noch wirklich gläubig ist darf in Frage gestellt werden.

Quo vadis Deutschland? Ich denke, es ist hohe Zeit zu überprüfen, ob die derzeitig Rechtslage noch zeitgemäß ist und entsprechende Schlüsse zu ziehen. Das gilt um so mehr, als sich durch die Migration neue religiöse Gruppen in Deutschland etablieren. Wir können doch nicht dabei zusehen, wie sich weitere Religionsgemeinschaften die gleichen Vorrechte sichern (teilweise Steuerfreiheit, staatliche Förderung aus den allgemeine Steuermitteln usw.), anstatt die Vorrechte der bereits etablierten Kirchen auf ein angemessenes Maß zu reduzieren.

Sicherlich gibt es in der heutigen Zeit sehr viele drängende Probleme und Mehrheiten für Grundgesetzänderungen sind nicht in greifbarer Nähe, aber das ist kein Grund diese Entwicklung nicht anzustreben, öffentlich zu problematisieren und dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Dazu gehört auch, dass die Medien, Vordenker und Führungskräfte der Nation aufgerufen sind, sich ein neues gemeinschaftliches Narrativ zu schaffen, dass unsere gesellschaftlichen Werte verfestigt und diese in unserer Gesellschaft und Rechtssystematik verankern. Hier sollten dann natürlich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen entsprechend ihrem gesellschaftlichen Rückhalt einbezogen werden.