Wir lange füllt sich die Kirche noch?
KStA, vom 22.12.2024 – Eine Trauerrede zu Weihnachten in lichten Zeiten
Die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft schrumpft in Deutschland ständig. 2023 gehörten nur noch 46% der Deutschen einer der beiden christlichen Kirchen an. Ca. 5,5% gehören einer muslimischen und 0,12% einer jüdischen Glaubensgemeinschaft an.
(Quelle: https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit)
2024 wird das erste Jahr sein, in dem die Mehrheit der Deutschen keiner Religionsgemeinschaft mehr angehören.
Die Gründe mögen vielfältig sein, aber eines ist gewiss, die Abwendung von dem, was diese dogmatischen Kirchen ausmacht, ist enorm und wird weitergehen.
(Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kirche-religiositaet-glaube-100.html)

Es wir hohe Zeit, dass die Institutionen das entgegen nehmen und die journalistische Berichterstattung das angemessen wiedergibt. Aber in den Medien (hier z.B. der Kölner Stadt Anzeiger – KStA) wird viel mehr darüber spekuliert, ob man sich darüber freuen soll, dass wenigstens Weihnachten die Kirchen einigermaßen gefüllt seien.
Es sollte doch aufrütteln, dass selbst unter den Besuchern der Christmetten ca. 50% das, nach statistischen Erhebungen, nur aus familiären Traditionen und nicht aus Glauben machen. Die Liturgie ist sowieso den meisten fremd.
In der NZZ erläutert die Theologin Hanna Jacobs treffend, dasdie praktizierenden Christen eine Minderheit sein werden.
(Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 22.12.2024 – Debatte – Wir werden zur Minderheit)
Die Kirchen müssen sich also darauf einstellen in der Diaspora zu leben und sich gesundschrumpfen, denn die Schäflein, die man melken könnte werden immer weniger und die vorhandenen Mittel sollten mildtätig eingesetzt werden, um ein bisschen Glaubwürdigkeit und Restanstand wahren zu können.
Wir sollten darüber aber nicht vergessen, dass mit dem Bedeutungsverlust der Kirchen eine Lücke entsteht, die die Geselsschaft möglichst schnell schließen sollte, ehe sich Demagogen derer bedienen.
Es gibt eine Menge Menschen, denen die Spiritualität einiges gibt. Menschen, denen das Universum zu groß ist, ohne die schützenden Wände von Himmel und Hölle. Ihnen fehlt die Struktur des Jahres durch die seit Generationen gepflegten Feiertage. Menschen, denen der gesellschaftliche Wandel zu schnell geht, zu grundlegend ist und denen die Herausforderungen der heutigen Welt über die Köpfe wächst und bei Ihnen tiefgreifende Ängste erzeugt.
Dafür braucht es Antworten der Gesellschaft, der Politiker, Philosophen und Soziologen. Bestenfalls sollten sich Vertreter aller Weltanschauungen daran produktiv beteiligen, wenn ihnen denn das Wohl der Menschen tatsächlich so wichtig sein sollte.
Es reicht nämlich lange nicht mehr mit dem Finger in irgendwelche Weltregionen zu zeigen, in denen Menschen irgendeiner Religionszugehörigkeit unterdrückt werden. Hier sind alle und ich sage ganz bewusst ALLE Religionen an der Unterdrückung Andersgläubiger beteiligt und kaum eine besser als die andere.
Die Kirchen sind ohne Menschen nichts, aber die Menschen sind ohne die Kirchen frei im Denken!
