Religionen … Fortführung_2

Gott ist eine Erfindung von Menschen

(Interview mit Magnus Striet, KStA, vom 13.07.2026)

Sehr interessant und aufschlussreich, was ein Theologe zu dem Thema „menschengedachter Gott“ beiträgt.

Allerdings wurde der Schlusspunkt zu früh gesetzt. Nicht nur innerhalb einer Religion gibt es verschiedene „Gottesbilder“, darüber hinaus haben zumindest alle monotheistischen Religionen ein sehr großes Problem, da sie nur einen Teil der Weltbevölkerung einbeziehen können und wollen. Alle Andersgläubigen sind in irgendeiner Form der „Verdammnis“ preisgegeben, auch wenn sie noch nie von dem allein wahren Gott gehört haben.

Wenn man mal überlegt, wie viele Götter derzeit auf der Welt um die Deutungshoheit wetteifern, kann einem schon schwindelig werden. Wenn man dann noch bedenkt, wieviele Götter mit ihren Kulturen bereits sang- und klanglos untergegangen und der Vergessenheit anheimgefallen sind, ohne dass es zum Armageddon gekommen ist, muss man doch zumindest die Frage stellen, was an diesen Glaubensgeschichten wahr sein kann. Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt diesbezüglich eine Wahrheit?

Ist der Gottesglauben, unabhängig von seiner konkreten Ausformung, nicht eher ein menschliches Hilfskonstrukt, dass es ihm erlaubt sein Leben in einer bedrohlichen Welt zu erleichtern. Ist das nicht eine kindliche Übertragung der letztendlichen Lebensverantwortung auf einen allwissenden Verantwortungsträger? Eine Entlastung von der Verantwortung für Dinge, deren Bewältigung temporär übermenschliche Kraft erfordern würde?

Vieles spricht dafür, dass der Mensch seine Götter schafft und nicht die Götter den Menschen erschaffen haben. Vor diesem Hintergrund sind die Gottesbilder auch viel erklärlicher. Zum Beispiel Quetzalcoatl, die „Gefiederte Schlange“, ist einer der wichtigsten Schöpfergötter der Azteken. Er vereint die irdische Schlange mit dem Himmelsvogel und trägt den Federschmuck des heiligen Quetzal-Vogels. Ein Gottesbild, dass keinem Menschen einer anderen Hemisphäre vermittelbar gewesen wäre. Ähnlich geht es mit allen anderen Göttern. Insoweit war es von den monotheistischen Religionen, insbesondere vom Judentum, schon sehr geschickt jegliches Gottesbild zu verbieten.