Information zum 6. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC)
So wird das nichts!
So, wie die Weltgemeinschaft mit diesem existenzbedrohenden Thema umgeht, kann sich das globale Klima nicht auf ein erträgliches Maß einpendeln!
Das allgemein angestrebte Ziel einer maximalen Erwärmung des Weltklimas um 1,5 Grad rückt immer rascher in unerreichbare Ferne. Die Erde steuert eher mit riesigen Schritten auf eine ungewisse Zukunft in einem Drei-Grad-Szenario zu, in dessen Folge der Planet mit umwälzenden Umweltbedingungen zu kämpfen haben wird und wir und die gesamte Flora und Fauna mit ihm!Nur wenn wir die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen vervielfachen, die Gesellschaft den Umweltverbrauch umgehend nachhaltig reduziert und wir die Finanzmittel zur Umkehr der bisher eingetretenen und noch zu erwartenden Erderwärmung drastisch erhöhen, sehen die Verantwortlichen eine Chance die katastrophale Entwicklung für die Menschheit und unser gesamtes Habitat abzuwenden.
Leider wurde das Ergebnis in der politischen Diskussion verwässert. Ein Vertreter des IPCC kommentierte das folgendermaßen: „Würden die Berichte ohne Kompromisse allein die Sicht der Wissenschaft spiegeln, wären sie an einigen Stellen deutlich schärfer formuliert.“
Dennoch bleibt das Ergebnis schockierend:
Die Politik habe in den letzten Jahren in Fragen des Klima- und Umweltschutzes versagt. Die Emissionen sind gegenüber 1990 sogar um 54% gestiegen. Eine Begrenzung der Erderwärmung kann so sogar kaum mehr auf zwei Grad gehalten werden.
Wir müssen uns ernsthaft mit Alternativmodellen beschäftigen, die von einer Überschreitung der 1,5 Grad-Vorgabe ausgehen.Darüber hinaus seien die Auswirkungen des Klimawandels um ein Vielfaches gravierender als die, die in den verschiedensten bisherigen Szenarien berechnet wurden. Jede weitere Verschlechterung der Verhältnisse führe darüber hinaus zu einer exponentiellen Eskalation der Gefahren. Die Anfänge dieser Entwicklung kann man täglich vor der eigenen Tür sehen oder in den (über-)örtlichen Nachrichten verfolgen. Es kommt immer öfter zu Stürmen, Starkregen, Überschwemmungen, Trockenheiten und Feuerereignissen und in deren Folge zu Hungersnöten und Verlust oder Verunreinigung von Trink-, Grundwasser, Böden und Luft. Das Artensterben erfolgt in einer bisher unbekannten Größenordnung. Die zu erwartenden Umwälzungen werden den Migrationsdruck erhöhen und könnten zu Verteilungskämpfen führen.
Die Menschheit hat kein Problem, sie ist das Problem!
Der IPCC-Chef Lee fordert trotzdem auf, nicht pessimistisch zu reagieren und in Untätigkeit zu verfallen, sondern alle Kräfte zu bündeln und zur Tat zu schreiten, damit die Auswirkungen bestmöglich begrenzt werden. Wir stehen vor großen Herausforderungen, aber nicht vor der unausweichlichen Apokalypse! Die Herausforderungen sind allerdings riesig und ungerecht verteilt.
Mehr als 90% der Toten auf Grund von Umweltkatastrophen starben in den Entwicklungsländern, die diese Katastrophe am wenigsten zu verantworten haben.Bis 2050 müssten 99 % der globalen Emissionen eingespart werden, wenn man die Pariser Klimaziele noch erreichen will. Dazu müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden, neueste Umwelttechnologien umfassend gefördert und ärmere Länder substantiell unterstützt werden.
Das Erreichen ökologischer Kipppunkte wird zum Teil unumkehrbare Folgen haben, wenn z.B. erst einmal die Gletscher abgeschmolzen sind, werden etliche Flüsse im Sommer trocken fallen. Sind Permafrostböden aufgetaut, setzen sie massenweise Methan frei.
Das alles geht auch nicht ohne ein maßgebliches ökologisches Umdenken, z.B. das Wiedervernässen der Moore. Moore bedecken nur 3% der Landfläche des Planeten, binden aber doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Zugleich sind sie Hotspots der Artenvielfalt. Mehr als 40% aller Arten der Welt leben in diesen Feuchtgebieten. Werden hingegen weitere Moore trocken gelegt, werden diese Treibhausgasspeicher zu riesigen Treibhausgasemittenten. Der Weltklimarat hält eine Ausweitung dee Naturschiútzgebiete auf 30% bis 50% der Erdoberfläche für unverzichtbar.
Der IPCC fordert eine Steigerung der Elektrifizierung des Verkehrs, vermehrtes Gehen und Radfahren und weitere Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Alleine die Einsparungen im Gesundheitssektor durch eine Verbesserung der Luftqualität könnte ein Großteil des Umbaus finanzieren.
Die Kosten des Nichthandelns würden auf jeden Fall die der Vorsorge um ein Mehrfaches übersteigen.
Die Kernbotschaft lautet: Wir haben es leider in den letzten Jahren verpennt. Gleichzeitig haben wir es noch in der Hand das Allerschlimmste abzuwenden. Aber … das Handlungsfenster schließt sich rasch!(Quelle: Spektrum – Die Woche, 12/2023)
