Wetter oder Klima? Fakten gegen die Verharmlosung
Der Versuch einer Klarstellung
1. Wetter und Klima sind nicht dasselbe
In öffentlichen Debatten werden Wetter und Klima häufig verwechselt. Wetter beschreibt den aktuellen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Klima hingegen bezeichnet die statistische Beschreibung des Wetters über einen langen Zeitraum. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwendet hierfür üblicherweise Zeiträume von mindestens 30 Jahren.
Ein einzelner kalter Winter oder ein kühler Sommer widerlegt daher den Klimawandel nicht. Ebenso beweist ein einzelner Hitzetag keine langfristige Erwärmung. Entscheidend sind langfristige Trends über Jahrzehnte.
2. Messdaten zeigen eine deutliche Erwärmung Deutschlands
Die Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) belegen einen klaren Erwärmungstrend:
- Seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 hat sich Deutschland um etwa 1,9 °C erwärmt.
- Der DWD weist darauf hin, dass die Erwärmung seit den 1970er Jahren deutlich beschleunigt verläuft.
- Unter Verwendung aktueller klimatologischer Methoden ergibt sich gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits eine Erwärmung von rund 2,5 °C für Deutschland.
- Das Jahr 2024 war mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,9 °C das wärmste Jahr seit Messbeginn und übertraf sogar den bisherigen Rekord von 2023 um weitere 0,3 °C.
3. Hitzetage nehmen deutlich zu
Ein besonders aussagekräftiger Indikator sind sogenannte Hitzetage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 °C.
Während in den 1950er Jahren in Deutschland durchschnittlich nur etwa drei bis vier Hitzetage pro Jahr registriert wurden, lag der Durchschnitt der letzten Jahre häufig deutlich höher.
Beispiele:
Zeitraum – Durchschnittliche Entwicklung
1950er Jahre – ca. 3–4 Hitzetage/Jahr
1961–1990 – ca. 4 Hitzetage/Jahr
2018 – über 20 Hitzetage
2019 – rund 17 Hitzetage
2022 – rund 17 Hitzetage
Der Deutsche Wetterdienst und weitere Forschungseinrichtungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Hitzetage seit den 1950er Jahren ungefähr verdreifacht hat.
4. Warum Extremwetter wahrscheinlicher wird
Mit steigenden Temperaturen verändert sich die Physik der Atmosphäre.
Eine grundlegende Beziehung der Meteorologie besagt, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf speichern kann. Pro Grad Celsius Erwärmung steigt die mögliche Wasserdampfaufnahme um etwa sieben Prozent.
Dadurch werden Wetterextreme wahrscheinlicher:
- längere und intensivere Hitzewellen,
- stärkere Starkregenereignisse,
- höhere Hochwasserrisiken,
- häufigere Dürreperioden in bestimmten Regionen.
Der Klimawandel verursacht nicht jedes einzelne Extremwetterereignis. Er erhöht jedoch nachweislich deren Wahrscheinlichkeit und Intensität.
Fazit
Die Diskussion über den Klimawandel sollte auf langfristigen Messreihen und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, nicht auf Einzelereignissen oder persönlichen Erinnerungen.
Die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen eindeutig:
- Deutschland erwärmt sich seit Jahrzehnten.
- Die Erwärmung hat sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt.
- Hitzetage und andere Wetterextreme nehmen zu.
- Die beobachteten Veränderungen entsprechen den Erwartungen der Klimaforschung.
Die wissenschaftliche Evidenz für die gegenwärtige Erwärmung und den maßgeblichen Einfluss menschlicher Treibhausgasemissionen gilt heute als sehr gut belegt.
Quellen mit konkreten Fundstellen
- Deutscher Wetterdienst – Klimastatusbericht 2024
Deutschland 2024 wärmstes Jahr seit Messbeginn.
Jahresmitteltemperatur 10,9 °C.
https://dwd.de/DE/leistungen/klimastatusbericht/publikationen/ksb_2024.pdf?__blob=publicationFile&v=5 - Deutscher Wetterdienst – Klimapressekonferenz 2025
Erwärmung Deutschlands seit 1881: etwa 1,9 °C.
Gegenüber vorindustrieller Zeit bereits etwa 2,5 °C Erwärmung.
https://dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20250401_pressemitteilung_klima-pk_news.html - Deutscher Wetterdienst – Deutschlandwetter 2024
Temperaturtrend und Rekordjahr 2024.
Temperaturabweichungen gegenüber Referenzperioden.
https://dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2024/20241230_deutschlandwetter_jahr_2024.html - Analyse zu Hitzetagen auf Basis von DWD-Daten.
Jahre 2018, 2019 und 2022 mit rund 17 bis über 20 Hitzetagen im Deutschlandmittel.
https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wissenschaft_nt/article6a3762627e682fc37fc020f3/wie-viel-haeufiger-hitze-in-deutschland-heutzutage-vorkommt.html - WMO (World Meteorological Organization) – Definition klimatologischer Normalperioden (30 Jahre).
Wer ist gefordert?
Die Herausforderung des Klimawandels wird häufig von gegenseitigen Schuldzuweisungen begleitet.
Bürgerinnen und Bürger verweisen auf Industrie und Politik. Unternehmen verweisen auf gesetzliche Rahmenbedingungen und die Nachfrage der Verbraucher. Regierungen verweisen auf internationale Wettbewerbsfähigkeit oder die Emissionen anderer Staaten. Andere Länder wiederum argumentieren, dass die Industriestaaten historisch den größten Teil der Treibhausgase verursacht haben.
Diese Argumente enthalten jeweils einen wahren Kern. Sie dürfen jedoch nicht dazu führen, dass niemand handelt.
Die Verantwortung der Politik
Politik kann die Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer sich Wirtschaft und Gesellschaft bewegen. Sie entscheidet über Infrastruktur, Genehmigungsverfahren, Energiesysteme, Forschung, Bildung und internationale Vereinbarungen.
Von der Politik darf erwartet werden, dass Entscheidungen langfristig, wissenschaftsbasiert und generationengerecht getroffen werden. Kurzfristige Wahlzyklen dürfen nicht dazu führen, dass notwendige Maßnahmen dauerhaft verschoben werden.
Die Verantwortung der Wirtschaft
Unternehmen verfügen über erhebliche Innovationskraft und Investitionsmöglichkeiten. Viele technische Lösungen für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und ressourcenschonende Produktion existieren bereits.
Wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit dürfen nicht als Gegensätze betrachtet werden. Langfristig profitieren Unternehmen von stabilen Ressourcen, sicheren Lieferketten und planbaren Rahmenbedingungen.
Die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger
Individuelle Entscheidungen allein werden den Klimawandel nicht stoppen. Dennoch beeinflussen Millionen alltäglicher Entscheidungen Nachfrage, Energieverbrauch und gesellschaftliche Prioritäten.
Verantwortung beginnt nicht erst bei großen politischen Entscheidungen, sondern auch im eigenen Umfeld – etwa bei Mobilität, Energieverbrauch, Konsum oder der Bereitschaft, sich sachlich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen.
Die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft
Der Klimawandel kennt keine nationalen Grenzen. Deshalb können weder Deutschland noch Europa das Problem allein lösen.
Gleichzeitig entbindet die Untätigkeit anderer Staaten niemanden von der eigenen Verantwortung. Internationale Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass alle aufeinander warten, sondern dadurch, dass Staaten Vertrauen schaffen und gemeinsam verbindliche Schritte vereinbaren.
Die Verantwortung jedes Einzelnen – und aller gemeinsam
Es gibt keinen einzelnen Akteur, der das Problem allein lösen kann. Ebenso gibt es keinen Akteur, der sich vollständig aus der Verantwortung ziehen kann.
Wer auf die Politik zeigt, hat recht – aber nicht ausschließlich.
Wer auf die Wirtschaft zeigt, hat recht – aber nicht ausschließlich.
Wer auf andere Staaten zeigt, hat recht – aber nicht ausschließlich.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer allein verantwortlich ist. Die entscheidende Frage lautet, welchen Beitrag jede Ebene leisten kann und leisten muss.
Verantwortung ist nicht teilbar. Sie ist gemeinsam zu tragen.
