Umwelt 2

Jeff Bezos und die aktuelle weltpolitische Lage

Es ist nahezu bestürzend, wie sich die medienhungrige Community auf die Hochzeit von Jeff Bezos vor der maroden Kulisse von Venedig stürzt, als gäbe es nichts Wichtigeres. Da fallen pervertierte Oligarchen und ihr Gefolge über einen Ort her, der längst seine Unschuld verloren hat und bestenfalls als ein Symbol für eine absurde Verleugnung der Wahrheiten steht und unweigerlich dem Untergang geweiht ist.

Also … ein Abbild dieser Gesellschaft oder sogar unserer selbst?

Zunächst einmal das Zerrbild unserer Gesellschaft. Unser Planet ist einer Kaste anheimgefallen, die wir einerseits selbst, durch unseren ungezügelten Konsum, groß gemacht haben, andererseits in Amt und Würden gewählt haben oder dessen Aufstieg wir billigend in Kauf genommen haben und zu dessen Monstrosität wir nun schaudernd aufsehen.

Einiges ist zu spät, Anderes noch nicht.

Es hat schon immer Vermögende und Mächtige gegeben. Es hat schon immer Bettler und „Sklaven“ gegeben. Aber noch nie wurden die Vermögende und Mächtige omnipräsent und vor der Weltöffentlichkeit so angehimmelt, wie wir das derzeit in Presse und Sozialen Medien verfolgen können.

Dort wird der überbordende und pervertierte Reichtum mit Glanz und Gloria zu schau gestellt, der Rest der „zivilisierten“ Welt geifert ihnen nach und die andere Hälfte liegt im Koma.
Dort nehmen sich Autokraten, Oligarchen und Kriegstreiber jedes Recht des Stärkeren heraus und große Bevölkerungsgruppen jubeln ihnen zu, wählen sie wieder und wieder, verzeihen jede Lüge und jeden erkenntnistheoretischen, rechtlichen und amoralischen Fehltritt, den man bei dem Nachbarn auf‘s schärfste Verurteilen würden.
Es werden alle möglichen Minderheitenrechte und Partikularinteressen mit wahrlichem Eifer in Betroffenheitsspiralen hochgejubelt. Das Sterben der Arten, der brennenden Welt und der Niedergang jeglicher ethischen Grenzen sind offensichtlich egal!
Dort feiern wir zum Nachteil unserer Nachkommen die bereits brennende Welt ins Desaster, hier werden unsere Kinder als Prinzessinnen und Prinzen groß gepäppelt und mit allen Annehmlichkeiten dieser Welt überhäuft. Annehmlichkeiten, die vor einigen Generationen noch nicht einmal Königen und Kaisern zur Verfügung standen und jeglicher Verzicht wird als unangemessenen Zumutung empfunden.

Was ist falsch mit uns, dass wir seit Jahrzehnten alle Warnungen in den Wind schlagen und die Menschen denunzieren, die uns darauf aufmerksam machen. Wir ignorieren sämtliche greifbaren Erkenntnisse, wissenschaftlich belegte Szenarien und sogar selbst erlebte Naturkatastrophen.
Ein Freund fasste das mal in wenige Worte zusammen: „Wir wollen alle doch nur ein bisschen Spaß haben.“ und nehmen unsere Kinder mit auf den Höllentripp.

Der Zusammenhalt der Gemeinschaften zerbröselt international, national und in den gesellschaftlichen Gruppen. Diese Fragmentierung der Gesellschaft zieht auch eine ebensolche der Interessen nach sich. Man gehört nicht mehr einer internationalen Wertegemeinschaft an, sondern einer wirtschaftlichen Interessengemeinschaft, die die Eigeninteressen ggf. auch gegen die der Anderen durchsetzt und das bis auf die unterste Ebene.

Das bleibt nicht ohne Folgen, denn der Mensch ist nur in der Gemeinschaft stark. Als Individuum ist er den Naturgewalten und den Rowdies schutzlos ausgeliefert. Und davon gibt es immer mehr.
Egomanen, Autokraten, Oligarchen, Separatisten, Volksverhetzer, Kriegstreiber, War-Lords und Lügner, Betrüger und sonstige Kriminelle sind auf dem Vormarsch. Und Otto-Normalverbraucher schweigt und genießt seinen wohlverdienten Flugurlaub und sein Grill-Kotelette oder rennt dem Mob, laut schreiend und Fahnen schwenkend, sogar hinterher.

Wir müssen uns besinnen und uns in den Bemühungen um unsere Demokratie und Freiheit zusammenschließen. Noch kann bei uns auch der Demokratiefeind seine Parolen in aller Öffentlichkeit dreschen. Magazine, die die freiheitlich demokratische Grundordnung in Frage stellen sind geschützt und dürfen ihren Schmutz verbreiten. Aber wie lange noch, wenn nicht auch die Demokraten laut werden und ihre vornehme Zurückhaltung aus dem Elfenbeinturm nicht ablegen.
Ich hätte früher nie gedacht, dass ich folgenden Satz einmal selbst schreiben würde:

„Wer verhandeln will, muss laut und stark sein!“

 

Darüber hinaus müssen wir lernen, dass kleine Schritte, die tatsächlich gemacht wurden, besser sind als große, die nie oder zu spät gemacht werden.

Das heißt:

  • Es ist besser CO2 in unterirdische Lager zu verpressen, als auf die Selbsterkenntnis daraus resultierenden Handlungen von Staaten, Industrien und Bürger zu warten, bis es zu spät ist.
  • Es ist besser, Hybrid-Fahrzeuge zu verkaufen und damit zu fahren, als überteuerte E-Autos auf Halde zu stapeln und weiter mit „Nur“-Verbrennern zu fahren.
  • Es ist besser Menschen durch Nudging auf ein gewünschtes Verhalten zu stupsen, als auf eigenverantwortliche Handlungen zu setzen, die nie passieren.  
  • Es ist besser im Kleinen und eigenverantwortlich Maßnahmen zum Umweltschutz zu ergreifen, als nur auf Andere zu zeigen und sein Nichtstun damit zu begründen, dass wir doch so hilflos sind.
  • Es ist besser weniger Fleisch zu essen, weniger Alkohol zu trinken und sich mehr zu bewegen, als daran zu scheitern, Veganer, Antialkoholiker oder Leistungssportler zu werden.

Die Liste könnte beliebig fortgeschrieben werden.

Denn … es ist immer leichter etwas zu verbessern als zu warten bis es kaputt ist und dann neu zu erstellen. Und … sind erst einmal Kipppunkte überschritten, geht erst einmal gar nichts mehr!
Erschreckenderweise gilt das sowohl für natürliche wie auch für gesellschaftliche Phänomene.

Auch diese ältere Weisheit ist noch so aktuell wie vor vielen Jahren:
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“