Deutschland im Mittelmaß
Heute stand im Kölner StadtAnzeiger: Berlin gilt als Spatzenhauptstadt Deutschlands. „Anders als in vielen anderen Städten wie Hamburg und Köln ging die Zahl der Vögel hier lange nicht zurück“, sagt Böhner, Mitglied der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. Grünflächen würden vergleichsweise selten gemäht, vielerorts sei fressbarer Abfall zu finden. Das freut gefiederte Berliner: „Je schmuddeliger, desto besser für den Spatz.“
Da fragt man sich als Kölner: „Alter, wie muss es denn in Berlin aussehen, wenn die Spatzen hier in Köln bereits weg sind?“
Na ja, Berlin eben!
Ich erkenne eine erschreckend flächendeckende Haltung bei uns in Deutschland. Wir sind gar nicht mehr erstaunt, dass etwas nicht richtig funktioniert, schmuddelig ist oder andere etwas besser können. Im Gegenteil, wir feiern, wenn etwa die Rahmetalbrücke „just-in-time“ repariert wurde. Konnte ja keiner ahnen!
In Zeiten einer Kölner-Philharmonie, Stuttgarter Bahnhof, Berliner Flughafen oder der Pisa-Studie erfolgt maximal ein kurzer medialer Aufschrei, aber wer wundert sich eigentlich noch über Pleiten, Pech und Pannen.
Ich habe kürzlich ein Video von dem niederländischen Comedien, Patrik Nederkoorn, gesehen. Der Plot ging so:
Für die Niederländer ist Deutschland riesengroß.
Für eine Nord-Süd-Bahnfahrt durch die Niederlande brauchen wir 3 Stunden.
In Deutschland braucht man bereits 3 Stunden von Düsseldorf nach Köln…
Entsetzen, nö! Schenkelklopfer und am nächsten Tag am Flughafen Köln-Bonn in die Schlange stellen und den Urlaubsflieger verpassen, weil paar Mitarbeiter in der Abfertigung erkrankt sind.
Entsetzen, nö!
Zustandsbeschreibung, joh!
Wo ist die legendäre Innovationskraft unserer Industrie, der Fleiß des Deutschen Michel und die gebildete Gesellschaft der Dichter und Denker?
Made in Germany … wo bist Du! Was einst durch die Aliierten als Abstempelung eines Makels gedacht war, wurde zum Qualitätsstandard schlechthin und dann wieder … zum Makel?
Ein Bekannter sagte letztens: „Erst haben wir kein Glück und dann auch noch Pech.“
Nein, dass ist es nicht. Wir sind dabei es bräsig zu vermasseln.
Deutschland im Mittelmaß. Die Verlierer bei Pisa von heute sind die Hemmschuhe der Wirtschaft von morgen.
Wir brauchen unbedingt die Hochbegabten und Leistungsträger und müssen sie angemessen fördern. Genauso brauchen wir die Mitläufer und die am Ende der Leiter dürfen wir bloß nicht vergessen, denn dort liegt das Potential für Unzufriedenheit und das Wählerpotential für extreme Parteien.
Da stehen jede Menge gewaltiger Aufgaben vor unserer Tür (Klimawandel, Artensterben, Umweltschutz, KI, Hunger und Elend). Aber um das zu bewältigen brauchen wir unbedingt die wirtschaftliche Kraft und den Willen etwas zu gestalten.
Aber feiern können wir. Karneval, Oktoberfest, Kranger Kirmes usw.
In diesem Sinne … ich höre jetzt mal etwas schöne Musik und träume in den Tag … und bis zum nächsten Mal! Kann nicht so lange dauern, es gibt ja genug zu nörgeln.
Apropos schöne Musik. Hört mal hier rein: Wolfgangs Plattenecke
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