Deutschland fehlt es an Zusammenhalt.
Ich fürchte, dass das, wenn diese These zutrifft, für den deutschen Staat, unsere Gesellschaft, aber auch für Einzelpersonen weitreichende Folgen haben könnte.
Wir sind aufgerufen wachsam zu sein!
In der Literatur wird der Zusammenhalt zwischen Partnern regelmäßig als Kohärenz bezeichnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4renz
Zusammenfassend kann man sagen:
Kohärenz im politischen und gesellschaftlichen Kontext bezeichnet die klare und konsistente Verbindung zwischen verschiedenen Akteuren und Elementen eines Systems. Sie beschreibt ein Miteinander, das auf Vertrauen, Harmonie, gemeinsamen Zielen und Werten basiert.
Sie muss vertikal und horizontal mit Leben gefüllt werden.
Kohärenz wird aber nur als solche wahrgenommen, wenn dabei ein ausgewogener Interessenausgleich vereinbart wird.
Die Kohärenz in politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systemen ist ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden und die Stabilität einer Nation. Wenn diese Kohärenz fehlt, können die Auswirkungen auf die Bürger tiefgreifend und weitreichend sein. Im Fall Deutschlands, eines Landes mit einer komplexen föderalen Struktur und einer vielfältigen Bevölkerung, zeigt sich die Bedeutung von Kohärenz besonders deutlich.
Kohärenz wirkt vertikal, wenn verschiedene Ebenen (z.B. Staat/Bevölkerung, Arbeitgeber/Arbeitnehmer, Versicherungsgeber/Versicherungsnehmer, Eltern/Kind usw.) auf diesen Grundlagen interagieren.
Horizontal, wenn unterschiedliche Protagonisten auf in etwa gleicher Ebene (Bürger, Parteien, Geschäftsleute, Familienmitglieder usw.) untereinander auf diesen Grundlagen interagieren.
Aber wieso ist die Kohärenz im Zusammenleben denn so wichtig? Kohärenz wurde bereits von Frühmenschen entwickelt, da das für sie ein Überlebensvorteil darstellte.
Man kann sich das daran verdeutlichen, dass der Frühmensch als Einzelwesen der Natur vergleichsweise schutzlos ausgeliefert war. Jeder Löwe, Bär oder auch jede Naturgewalt bedroht die Existenz des Individuums, weil ihnen der einzelne, vergleichsweise schwache Mensch kaum etwas entgegenhalten konnte. Erst in der Gruppe, die sich verabredungsgemäß ein gemeinsames Ziel gesetzt hatte und jeder sich darauf verlassen konnte, dass der Mitstreiter die ihm übertragene Aufgabe auch gewissenhaft ausfüllte, waren sie diesen Gefahren gewachsen oder ihnen sogar überlegen. Sie konnten selbst die gefährlichsten Tiere als Gruppe (Treiber und Jäger) überwältigen und unter gemeinsamer Anstrengung eine Flut eindämmen oder Feuer löschen. Die Natur verlor dadurch einen Teil ihres Schreckens.
Das wirkt bis in die heutige Zeit. Auch mit allen technischen Möglichkeiten, ist ein reibungsloses Miteinander nur vorstellbar, wenn Kohärenz besteht und die Individuen sich im erforderlichen Umfang in den Dienst der Allgemeinheit stellen.
Ein Beispiel hierfür ist der Straßenverkehr. Der Verkehrsfluss funktioniert nur, wenn man sich gemeinsame Regeln gegeben hat, man diese mehrheitlich akzeptiert.
Niemand könnte bei grün einigermaßen beruhigt eine Straße an einer Fußgängerampel queren, wenn man nicht davon ausgehen könnte, dass die heranfahrenden Autos an der für sie roten Ampel anhalten würden. Niemand könnte eine enge Landstraße befahren, wenn man nicht das Vertrauen in die gemeinsame Wertschätzung für ein Menschenleben und das Eigentum hätte und sich deshalb den notwendigen Platz auf der Straße gegenseitig einräumt.
In einer funktionierenden Gemeinschaft wird Kohärenz erlebt, wenn sich der Staat durch Umverteilung von Steuermitteln um Hilfsbedürftige kümmert, die Streitkräfte unter Einsatz ihres Lebens unseren Staat schützen, die Ordnungskräfte die öffentliche Sicherheit und Ordnung schützen, Versicherungen den sozialen Absturz abfedern, Menschen sich in Notsituationen gegenseitig helfen usw. Kurz: Wenn Geschehnisse verlässlich den erwartbaren Handlungsmustern folgen.
Ohne Vertrauen, Harmonie, gemeinsame Zielen und Werte kann es somit keine Kohärenz geben. Immer dann, wenn ein Element der Kohärenz in Frage gestellt oder gar verletzt wird, ist das für uns überaus verstörend. Werden mehrere dieser Elemente nachhaltig missachtet, entzieht das dem gedeihlichen Miteinander die Grundlage und treibt die betroffene Gesellschaft in die Fragmentierung. Plötzlich ziehen nicht mehr alle an einem Strang. Plötzlich steht das Individuum oder die Interessen der Kleingruppe mit seinen Partikularinteressen im Vordergrund und nicht mehr das Allgemeinwohl. Wenn das dann keine Randerscheinung mehr ist, sondern Mainstream, hat die Gesellschaft ein veritables Problem.
In der Vergangenheit gab es ethnische, soziologische, politische, moralische und weltanschauliche Maßstäbe, die jeweils oder in Summe der Kitt für unsere Gesellschaft gewesen sind. Gemeinsame (religiöse/weltliche) Feiern und Riten, regelmäßige Dienste an der Gemeinschaft, gemeinsames Überstehen von Lebensgefahren, viele hatten einen vergleichbaren Lebensstandard, Sorgen und Nöte wurden ähnlich wahrgenommen usw. Hier fanden die meisten Bürger ihren Platz und Pflichterfüllung war nahezu selbstverständlich. Zuwiderhandlungen wurden zum Teil drakonisch abgestraft.
Systemsprenger wurden ausgestoßen, wenn sie auf den unteren Stufen der sozialen Leiter standen. Die wenigen auf den obersten Sprossen konnten sich schon immer auf Grund ihrer hervorgehobenen Stellung fast alles erlauben.
Solange das Randerscheinungen blieben, wurde es von der breiten Bevölkerung akzeptiert. Uferten diese Verhältnisse aus, führte das immer wieder zu Verwerfungen und gewaltsamen Umbrüchen.
Die moderne und pluralistischer werdende Gesellschaft hat dem im Laufe der Zeit viele verbindende Elemente eliminiert. Leider ohne neue, Sinn stiftende, gemeinsame Narrative aufzubauen. Religionen verlieren immer mehr an Bedeutung und kulturelle Hintergründe driften in einer Gesellschaft mit hoher Zuwanderungsrate weit auseinander. Ganze Bevölkerungsgruppen werden von der Teilhabe ausgeschlossen, da ihnen die materiellen Möglichkeiten fehlen, während sich ein anderer Teil ziemlich alle Ressourcen sichert. Elitäre „Intellektuelle“ setzen Verhaltensmaßstäbe, die in der breiten Bevölkerung auf keine Akzeptanz stoßen.
Die Gesellschaft erlebt daher schon seit geraumer Zeit eine Fragmentierung durch den Verlust an Kohärenz. Das Vertrauen in den wohlwollenden, paternalistischen Staat und die Wahrnehmung eines harmonischen, sozialen Ausgleichs sind in weiten Teilen verloren gegangen. Nicht zuletzt auch, weil die Parteien wenig wertschätzend mit dem politischen Mitbewerber umgehen und darüber hinaus dazu neigen den Wählern Versprechungen zu machen, die niemals eingehalten werden können. Das führt zwangsläufig im Laufe der jeweiligen Legislaturperiode zu zusätzlichem Verdruss, steigert die Akzeptanz extremer Positionen und fördert das Misstrauen gegenüber staatlichen Instanzen. Die Wirtschaft wird verunsichert, Investitionen werden aufgeschoben und dadurch Arbeitsplätze gefährdet, was die Unzufriedenheit der Bürger weiter verstärkt.
Wenn der Staat dann regelnd eingreift, um z.B. das Bildungsniveau zu heben, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen usw. begegnen ihm die Bürger mit dem vom Staat selbst verursachten Misstrauen. Die Bürger konterkarieren die eigentlich sinnvollen Bestrebungen trotzig, zum eigenen Schaden und die etablierten Parteien gießen Wasser auf die Mühlen der Populisten, die das genüsslich ausnutzen und den Spaltkeil weiter in die Gesellschaft treiben. Wie man in Europa und en USA beobachten kann, dürfen die Demagogen und Antidemokraten dann sogar lügen und Gesetze brechen, ohne dass es deren Erfolg schadet. Hauptsache sie sind gegen das Establishment. Zum Teil unterstützt das sogar noch deren Underdog-Image, auch wenn sie alles andere sind. Gerade der Autokrat Trump und seine Erfüllungsgehilfen sind Millionäre und Milliardäre, die in einer ganz anderen Welt leben als die Arbeitslosen aus dem Rostgürtel, aber das kümmert keinen mehr.
Gruppen und Gemeinschaften, die früher eng verbunden waren, entfremden sich, was zu Isolation und einem Rückgang gegenseitiger Unterstützung führt. Diese Fragmentierung kann wiederum Spannungen und Konflikte fördern, da Missverständnisse und Vorurteile zwischen den Gruppen zunehmen. Zudem schwächt der Verlust des Gemeinschaftsgefühls das Vertrauen in Institutionen sowie in Mitmenschen, was die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft untergräbt. Niemand fühlt sich umfassend wahrgenommen und gewürdigt, was auch jeden, noch so wohlwollenden Staatenlenker überfordern würde.
Stets fühlt sich eine Bevölkerungsgruppe benachteiligt und wendet sich mit seiner Betroffenheit an die Öffentlichkeit und die politische Vertretung. Politik und Gesellschaft springen zunächst reflexartig auf verschiedene Hypes auf, aber auch sie hören irgendwann überdrüssig weg. Die Folge ist eine weitere Staatsverdrossenheit, Wahlverweigerung und Rückzug von der privaten, staatstragenden Verantwortung.
Bei Menschen mit Migrationshintergrund führen die zum Teil deutlich unterschiedlichen Sozialisierungen und die deutsche Laissez-faire-Behandlung der Migration und Integration zur Ausbildung von Parallelgesellschaften, infolgedessen zu Rechtsunsicherheiten in der Gesellschaft und tragen damit zur steigenden Ablehnung von Migranten und deren kulturellen Hintergründen in der Bevölkerung bei.
Jede Abgrenzung und Hervorhebung eigener, vermeintlich vorrangiger Ansprüche führt im Gegenzug automatisch zur Herabsetzung der Interessen Anderer, die dadurch eine Marginalisierung befürchten und die Beachtung der eigenen Interessen ebenfalls vernehmlich einfordern. Ein bilateraler Vorgang, der einmal in Gang gesetzt, eine eigene Dynamik entwickelt und den nationalen Zusammenhalt untergräbt.
Gruppen und Gemeinschaften, die früher eng verbunden waren, entfremden sich, was zu Isolation und einem Rückgang gegenseitiger Unterstützung führt. Diese Fragmentierung fördert wiederum Spannungen und Konflikte, da Missverständnisse und Vorurteile zwischen den Gruppen zunehmen. Zudem kann der Verlust des Gemeinschaftsgefühls das Vertrauen in Institutionen sowie in Mitmenschen schwächen, was die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft weiter untergräbt.
Die Probleme der heutigen Zeit, verursacht durch Kriege, Umweltzerstörung, Klimakatastrophe, desolate Infrastruktur, leere öffentliche Kassen, demographischer Wandel usw., reduzieren zusätzlich das Wohlbefinden und steigern die Unsicherheiten weiter.
Infolgedessen fällt es Bürgern und Wirtschaft schwer, langfristige Entscheidungen zu treffen, etwa in Bezug auf Finanzen, Bildung oder die eigene Lebensgestaltung. Menschen fühlen sich in einer multikulturellen Gesellschaft schnell orientierungs- und heimatlos, wenn bekannte Strukturen und Werte zerfallen und keine neuen Narrative entstanden sind. Dies kann zu einem Gefühl der Unsicherheit und einem Verlust des Zugehörigkeitsgefühls führen, was psychologische und emotionale Belastungen mit sich bringt.
Alles das hat es in gewissem Ausmaß bereits früher gegeben, nur wurde das nicht immer derart an die Öffentlichkeit gezerrt und zunehmend oft auch als eigene Erfolgsgeschichte penetrant und genüsslich ausgeweidet, ohne zu bedenken, was das in der Gesellschaft für Schäden anrichtet.
Die sozialen Medien fungieren hier als Brandbeschleuniger.
Um die negativen Auswirkungen einer fehlenden Kohärenz zu minimieren, könnten folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Transparente Kommunikation: Eine klare und transparente Kommunikation seitens der Regierung kann dazu beitragen, Vertrauen und Verständnis aufzubauen.
- Partizipation der Bürger: Die Einbindung der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse kann helfen, Kohärenz zu fördern und die Akzeptanz von Maßnahmen zu erhöhen.
- Förderung von Transparenz: Organisationen wie Transparency International oder Human Rights Watch decken Machtmissbrauch, Korruption und Menschenrechtsverletzungen auf und wirken als Kontrollinstanz.
- Stärkung der Zivilgesellschaft: Durch Bildungsprogramme, Advocacy und Gemeinschaftsinitiativen helfen NGOs, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und demokratische Werte zu fördern.
- Langfristige Strategien: Einheitliche und langfristig orientierte politische Vorgaben und wirtschaftliche Strategien schaffen Stabilität und Vertrauen.
- Ehrliche Politik: Unbequeme Wahrheiten müssen ausformuliert und gegenüber den Bürgern so aufbereitet werden, dass sie die Chance für eine Akzeptanz bekommen.
Denn die öffentlichen Kassen müssen alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen und auf ihre Effizienz überprüfen. Die Füllhörner sind leer. Umverteilungen öffentlicher Gelder müssen an Bedürftigkeit geknüpft werden, auch wenn dafür massive (Grund-)Gesetzesänderungen notwendig werden. Die sozialen Sicherungssysteme müssen vermehrt steuerfinanziert werden, damit alle Wirtschaftssubjekte daran beteiligt werden, auch florierende Unternehmen, die ihre Wertschöpfung nicht aus der Arbeit von Menschen ziehen. - Integration: Migranten müssen zielführend bei der Integration unterstützt und gelenkt werden. Die aufnehmende Gesellschaft muss mitgenommen werden und die Vorteile der Migration unterbreitet werden. Der demographische Wandel lässt uns kaum eine andere Chance, als verstärkt auf Migration zu setzen.
- Diversität: Anstelle einer alles vereinheitlichenden Idee kann Diversität selbst ein verbindendes Element sein. Eine Gesellschaft, die Vielfalt zelebriert und aktiv fördert, kann den Wert verschiedener Perspektiven anerkennen und ein Gefühl der Zugehörigkeit für alle schaffen.
- Privates Engagement: Freiwilligenarbeit, lokale Initiativen und gemeinschaftliche Projekte können Menschen zusammenbringen und gemeinsame Erlebnisse schaffen. Dies stärkt das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, unabhängig von traditionellen Bindungselementen.
- Bildung und Sensibilisierung: Programme zur Förderung der politischen Bildung befähigen Bürger dazu, die verschiedenen Aspekte und Zusammenhänge besser zu verstehen. Bildung kann als Brücke zwischen unterschiedlichen Gruppen dienen. Lernprojekte, die den Austausch zwischen Generationen, Kulturen oder sozialen Klassen fördern, können Verständnis und Respekt schaffen.
- Gemeinsame Werte und Normen: Rechtliche, moralische und ethische Grundsätze, die von der Mehrheit geteilt werden müssen in die Gesellschaft transportiert werden. Sie schaffen Orientierung und Verständnis füreinander.
- Kulturelle Ausdrucksformen: Sprache, Kunst, Musik und Literatur tragen dazu bei, ein kollektives Bewusstsein und eine gemeinsame Geschichte zu formen.
- Gemeinsame Ziele: Wirtschaftlicher Wohlstand, soziale Gerechtigkeit können die Mitglieder einer Gesellschaft motivieren, zusammenzuarbeiten. Vor allem der Schutz der Umwelt und des Klimas muss als Kernforderung in der Gesellschaft verankert werden und kann über alle Gesellschaftsgruppen verbinden, da alle – auch die daheim gebliebenen Familien der Migranten – dadurch verbunden sind.
- Institutionen: Schulen, Vereine, Weltanschauungen und politische Systeme bieten Strukturen, die Verbindungen zwischen den Menschen fördern.
- Verhinderung der Monopolisierung der öffentlichen Debatte: Unternehmen, die Medien und digitale Plattformen kontrollieren – wie etwa Meta (vormals Facebook) oder Alphabet (Google) – haben eine immense Macht über die öffentliche Meinung. Dies kann genutzt werden, um politische Agenden zu fördern oder kritische Stimmen zu marginalisieren. Hier muss das Bundeskartellamt oder europäische Institutionen wirksam gegen halten! Das kann bis zu Zerschlagen der Monopole führen.
- Verhinderung von Oligarchien oder sogar Anarchien: Wenn wirtschaftliche und politische Macht in den Händen weniger konzentriert ist, wie in autoritären Regimen oder durch Populisten, können Institutionen geschwächt werden. Beispiele sind die Angriffe auf die unabhängige Justiz in Polen und Ungarn oder die Polarisierung der politischen Landschaft in den USA. Das darf ein Staat, der seine demokratischen Werte schützen will, gar nicht zulassen!
Fehlende Kohärenz hat daher vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Der Verlust gesellschaftlicher Gemeinsamkeit stiftender Elemente stellt eine erhebliche Herausforderung dar, doch er bietet im besten Fall auch die Möglichkeit, neue, zeitgemäße Formen des Zusammenhalts zu schaffen. Eine Gesellschaft, die bewusst Diversität, Bildung, bürgerliches Engagement und gemeinsame globale Ziele fördert, kann die Grundlage für eine harmonische und stabile Zukunft legen. Das Festhalten an gesellschaftlichen Narrativen aus dem vorletzten Jahrhundert kann kein Rezept für eine zukünftige pluralistische Gesellschaft sein. Wir leben nicht mehr abgeschottet in den tiefen germanischen Wäldern und huldigen nicht mehr unseren alten Göttern.
Wir brauchen den kulturellen Austausch und das Wissen der Weltgemeinschaft genauso wie deren jungen Leistungsträger. Es stünde uns gut an alle Götter in den Hades zu schicken, die Migration zu regeln und uns an der kulturellen Vielfalt zu erfreuen, anstatt uns von ihr und den Anforderungen der modernen Welt überfahren zu lassen.
Die Gefahr für unser Gemeinwesen lauert aber noch an einer ganz anderen Stelle. Die Ausbreitung libertärer Gedanken! Sie bergen auch in Deutschland Risiken und Chancen. Auf der einen Seite fördern libertäre Prinzipien die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung, was in einer liberalen Gesellschaft den Grundstein für Innovation und unternehmerische Freiheit legt. Menschen werden dazu ermutigt, ihre individuellen Fähigkeiten und Ressourcen zu nutzen, um wirtschaftliche und soziale Fortschritte zu erzielen. Dies kann zu einer dynamischen Wirtschaft führen, die durch Diversität und Kreativität geprägt ist.
Auf der anderen Seite birgt ein starker Fokus auf Individualismus und Deregulierung die Gefahr, dass soziale Ungleichheiten verstärkt, Umweltstandards untergraben oder das Gemeinwohl vernachlässigt werden. Die Betonung auf marktwirtschaftliche Mechanismen führen schnell dazu, dass soziale Sicherheitssysteme geschwächt und vulnerable Gruppen der Gesellschaft einem höheren Risiko ausgesetzt werden. Zudem führt ein übertriebener wirtschaftlicher Wettbewerb zu einer grundlegenden Fragmentierung der Gemeinschaft, wodurch das Gefühl der Solidarität und des sozialen Zusammenhalts gefährdet wird. Genau das, was wir in Zeiten der Fragmentierung sder Gesellschaft auf Grund fehlender Kohärenz gar nicht gebrauchen können.
Populistische Bewegungen, wie sie derzeit überall Platz greifen, stellen darüber hinaus die Grundwerte eines liberalen Rechtsstaates zusätzlich in Frage, indem sie einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Oft zielen sie aber viel eher darauf ab, demokratische Institutionen zu schwächen, etwa durch die Einschränkung der Gewaltenteilung, die Untergrabung unabhängiger Gerichte oder die Kontrolle über die Medien. Autoritäre Tendenzen können zudem durch den Missbrauch von Notstandsgesetzen oder die schrittweise Aushöhlung von Grundrechten verstärkt werden.
Die Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative ist ein zentraler Pfeiler des Rechtsstaates. Unabhängige Gerichte und Parlamente, die, neben einer funktionierenden Infragestellung durch NGO‘s und eine freie Presse, als Gegengewicht zur Regierung agieren und können die dann aufsteigenden autoritären Tendenzen entgegenwirken. Regelmäßige Wahlen und transparente Verfahren stellen sicher, dass Macht nicht auf Dauer zentralisiert wird.
