Gesellschaft

Wir haben es alle in der Hand

Es gibt derzeit viele Themen, über die sich unsere Mitmenschen aufregen. Oft sind die zu beobachtenden Vorkommnisse auch beklagenswert und bedürfen bestimmt einer baldigen Lösung. Aber warum musste es überhaupt erst soweit kommen? Wenn man nur die Berichterstattung aufmerksam verfolgt hätte, wäre so manches angeprangerte Ergebnis dann nicht vorhersehbar und zumindest teilweise abwendbar gewesen?

Die Themen „Umweltschutz und Klimawandel“ sind beste Beispiele für „Handeln ist wie Hingucken, nur krasser!“. Wobei man für „Handeln“ auch gerne zunächst einmal  „Nach-/Mitdenken“ setzen könnte.

Spätestens ab dem letzten Quartal des letzten Jahrhunderts musste jedem halbwegs belesenen Mitmenschen klar sein, dass wir mit unserem Verhalten den Planeten gegen den Baum fahren.

Hier eine Auflistung einiger Veröffentlichungen dazu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Grenzen des Wachstums – Club of Rome, 1972 – Warnung vor dem Kollaps
  • Global 200 – US-Regierung – 1980 – Prognose des Wandels
  • Our Common Future – UN-Weltkommission – 1987 – Nachhaltigkeit als Leitprinzip
  • Earth in the Balance – Al Gore – 1992 – Politischer Appell gegen Klimawandel
  • Storms of my Grandchildren – J-E- Hansen – 2009 – Wissenschaftlicher Klartext
  • Six Degrees / Our final Warning – M. Lynas – 2007/2020 – Klimafolgen
  • How to Avoid a Climat Disaster – Bill Gates – 2021 – Wege zur Klimarettung

WeitereInfos hier: https://meinungundbericht.com/umwelt/,  insbesondere die Videos „Time is up“ von Dr. Mark Benecke.

Und trotzdem sind die Menschen entsetzt, ungläubig oder sogar aggressiv und verweigern die Wahrnehmung stringenter Zusammenhänge, wenn man von aktuellen Klimakatastrophen berichtet und den Zusammenhang zum Klimawandel und unserem desaströsen Verhalten zieht.
Aussagen wie „Es gab schon immer warme Sommer und Umweltkatastrophen.“ sind noch die harmlosesten Realitätsverweigerungen in diesem Zusammenhang.
„Spaß muss sein!“ ist anscheinend das Motto unseres Lebens und „Wir haben es uns doch verdient!“ ist die Rechtfertigung dafür, dass sich der „Earth-Overshoot-Day“ immer weiter Richtung Neujahr verschiebt (https://www.wwf.de/earth-overshoot-day/) und dafür, dass das Artensterben immer weiter fortschreitet, bis wir uns selbst und den anderen Lebewesen die Existenzgrundlage zerstört haben (https://youtu.be/MubKjrWCg5w?si=gPrjGY1XsGKbFHof).

Was muss noch alles passieren, bis wir vehement die Ruder herumreißen und uns um unser eigenes Wohlbefinden und das unserer Nachkommen (die wir doch so sehr lieben) kümmern.

Aber es ist vielmehr umgekehrt! Kaum verlangen verantwortungsbewusste Politiker von uns Opfer im Namen unserer aller Zukunft, werden sie gnadenlos abgestraft und das Pendel schwenkt wieder in die andere Richtung. Ganze Völkerscharen huldigen den neuen und doch so alten Rattenfängern, die mit einfachen Lösungen für komplexe Sachverhalten locken. Plötzlich gibt es wieder Aufmärsche dunkelster Gesinnungen und Unterschiede, wo eigentlich keine sind.
Man wird den etablierten Parteien doch mal den Marsch blasen dürfen und aus Protest Parteien am politischen Rand wählen dürfen. Konnte doch keiner wissen, dass die diese komische Sachen wirklich durchziehen, die in deren Parteiprogrammen stehen! Oder doch?

Fossile Brennstoffe sind wieder gefragt und man ergötzt sich am Anblick von Gaskraftwerken, um bloß die teuflischen Windräder wieder loszuwerden. Wir tanzen einen wilden Tanz am Abgrund und prosten uns dabei aus dem Urlaubsflieger, mit freiem Blick auf hungernde Menschen, schmelzende Gletscher, Plastikstrudeln im Meer und von Unwettern heimgesuchten Landstrichen zu. Carpe diem,  in moderner, selbstzerstörerischer Auslegung. Aber das böse Erwachen kommt nach dem Gelage gratis und unausweichlich!

Es geht aber auch im Kleineren. Der Deutsche Michel hat vermehrt sein Geld in Aktien angelegt. Plötzlich sind Aktienkurse, Unternehmensgewinne und Shareholder-Value bei jeder Party und zufälligem Treffen in aller Munde.
Man will ja endlich auch mal etwas vom fetten Kuchen abbekommen. Das neue Credo: „Gehts der Company gut, gehts dem Aktionär gut.“, hört sich doch toll an! Doch plötzlich geht ein Aufschrei durch die Presselandschaft und der Michel regt sich darüber auf, dass Firmen Personal abbauen und auf Grund steigender Zölle und internationaler Konkurrenz auf KI und Automation setzen. Arbeitslosigkeit! Die Angst zeiht auf wie feucht-kalter Nebel. Konnte ja keiner Ahnen, dass die wirklich ernst machen mit der Gewinnmaximierung! Oder doch?

Alle Jahre wieder drehen die Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen das Füllhorn auf den Kopf. Lohnsteigerungen, Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, Verkürzung der Lebensarbeitszeit und was sonst noch wohlfeil ist, um das Pendel der Work-Life-Balance in Richtung Life ausschlagen zu lassen.
Aber als dann einige Wochen später die Nachrichtenkanäle heiß laufen weil Lebensmittel teuerer werden, Baupreise in astronomische Höhen entschwinden und Firmen noch mehr auf KI und Automation setzen (s.o.) sind alle entsetzt, erstaunt und protestieren lautstark. Dass die Wartezeiten bei Handwerkern und Ärzten immer länger werden, ist sowieso ein Skandal. Das konnte doch nun wirklich keiner alles voraussehen! Oder doch?

Wir regen uns darüber auf, dass unsere persönlichen Daten nicht maximal geschützt werden, geben sie aber, mit Freuden und zu Mehrung des Reichtums der amerikanischen Big-Tech-Firmen (https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Tech), an diese preis. Darüber hinaus wundern wir uns bei jedem Anschlag und Unglück lautstark, dass die deutsche Polizei und die Geheimdienste nicht effizient genug arbeiten. Im Bedarfsfall stützen wir uns dann eben auf Erkenntnisse ausländischer Dienste, die zwar ihre Informationen mit weitaus schmutzigeren Methoden gewinnen als wir uns vorstellen wollen, aber das will doch keiner wissen. Oder doch?

Apropos Big-Tech! Eine Schande, was diese Multimilliardäre da machen. Sie lassen ihr Geld arbeiten. Sie geben es aus, um ihren Reichtum zu sichern und zu mehren. Sie scheuen keine schmutzigen Geschäfte und politischen Einflussnahmen, um ihre Ziele zu erreichen. Konnte doch keiner ahnen, als wir ca. 3.000 € für ein neues Smartphone, Tablet und eine Smartwatch ausgegeben haben, nachdem unsere alten nach langen drei Jahren ja nun wirklich nicht mehr zu gebrauchen waren und … konnte ja keiner ahnen, dass die mit unseren so bereitwillig zur Verfügung gestellten Daten so gewaltige Geschäfte machen. Hätte ich nie gemach! Oder doch?

Man muss doch die Dienste der Big-Tech nutzen – Facebook, Netflix, „X“, WhatsApp, Paypal usw. Machen doch alle! Kommt man doch gar nicht drum herum! Oder doch?
Es gibt jede Menge Alternativen, man muss sie nur nutzen! Aber wer fängt an? (https://taz.de/Social-Media/!6072255/).

Blöd ist, wer einen Versicherungsfall erlebt und dann nicht doch etwas mehr herausschlägt, als er wirklich erlitten hat.
Blöd ist, wer nicht etwas seiner steuerpflichtigen Einnahmen am Fiskus vorbei steuert.
Blöd ist, wer zu viel ausgezahltes Wechselgeld der Kassiererin zurück gibt.
Blöd ist, wer seinen Vorteil nicht durchsetzt, wenn das doch so einfach ist.
Blöd ist, dass dadurch die Versicherungsbeiträge steigen, nicht genug Steuermittel für die vielen öffentlichen Aufgaben zur Verfügung stehen und die Preise im Einzelhandel steigen. Konnte doch keiner ahnen! Oder doch?

Kippen landen auf dem Gehsteig. Blöd, dass dadurch so viele Liter Grundwasser versaut werden. Konnte doch keiner Wissen! Oder doch?

Abfall und Bauschutt landet in der Landschaft. Keiner hat Lust das Zeug zur Abfallabnahmestelle der Kommunen zu bringen. Sollen das doch andere weg machen. Blöd nur dass dann die kommunalen Abgaben steigen. Konnte doch keiner Ahnen! Oder doch?

Überall stehen XXL-Portionen herum. Man braucht ja nur zugreifen. XXL-Fastfood, Softdrinks und Bewegungsmangel machen XXL-Figuren und machen uns krank. Konnte doch keiner wissen! Oder doch!

Graffiti ist doch ein beliebtes Ausdrucksformat deutscher „Künstler“. Schade nur, dass dieser Mist mit viel Aufwand von den Hauseigentümern beseitigt werden muss. Diesen Erhaltungsaufwand kann er dann auf die Umlage aufschlagen und lässt die Mieten weiter steigen.
Bushaltestellen werden demoliert und Scooter in Flüsse geschmissen. Wer bezahlt das wohl. Die Liste ist beliebig erweiterbar.
Phänomene, die oft in Wohnquartieren beobachtet werden können, in denen ärmere Menschen wohnen und von Preissteigerungen besonders hart betroffen sind. Kann doch keiner ahnen! Oder doch?

„Habt ihr schon gehört, Kaufhof ist schon wieder insolvent und Benetton hat zugemacht. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist auf dem Land gefährdet. Wen es wohl als nächsten erwischen wird?“ Konnte ja keiner ahnen, dass das so Auswirkungen hat, wenn wir mal was im Internet kaufen. Oder doch?

Jetzt wollen sie auch noch die Krankenhäuser zusammenlegen und unwirtschaftliche schließen. Geht doch gar nicht! Oder doch?
Es geht alles, wenn wir uns nicht über die Folgen unseres Handelns im Klaren sind. Sicherlich verdienen die Pflegekräfte, Notdienste, Handwerker, Kassiererinnen und andere wichtige und unterbezahlten Berufstätigen einen angemessenen Lohn. Aber dann müssen die Verbraucher auch die Preise zahlen und/oder das Angebot wird reduziert.
Sicherlich soll auch am Bau jeder den Mindestlohn bekommen, aber dann steigen auch die Preise für die Gewerke und letztendlich auch der Erhaltungsaufwand der Pflegeheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen usw. und dann steigen deren Preise eben auch! Kann doch keiner ahnen! Oder doch?

Man könnte diese Aufzählung ohne Ende fortführen.

Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, sind sehr viele Maßnahmen bitter notwendig, aber man muss sich auch darüber klar sein, dass auf jede Aktion eine Reaktion folgt und diese sollte man im Vorfeld des eigenen Handeln und Fordern bedenken.

Natürlich könnte der Staat für alles aufkommen und überall einspringen. Aber wer ist denn der Staat? Der Staat sind wir! Wir finanzieren ihn über unsere Steuern, soweit wir sie nicht vermeiden (s.o.)!


Ehe der Shitstorm losgeht: Industrie, Handel, Handwerk, Banken, Versicherungen, Verwaltungen und alle anderen Beteiligten habe auch oder vielleicht sogar einen größeren Anteil am Geschehen. Aber darum ging es mir in diesem Aufsatz nicht. Das ist ein anderer Aspekt des gleichen Themas.
Mir ging es hier darum aufzuzeigen, dass jeder, auch der hinter meiner Brille, Verantwortung trägt, überlegt handeln muss und etwas dafür tun kann, dass das Leben auf diesem Planeten und in Deutschland lebenswert bleibt.

Die Dinge sind nicht das Problem! Der Mensch ist das Problem!

Wer jetzt noch Lust auf mehr hat, kann gerne auf meiner Homepage herumstöbern. (https://meinungundbericht.com/