Bürgerforum: Bevölkerungsschutz – wie gut sind wir auf Krisen vorbereitet?
Warum staatliche Vorsorge allein nicht ausreicht und jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss.
Am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, fand im Gymnasium an der Zusestraße in Köln-Lövenich auf Initiative von Teresa De Bellis (CDU) erneut ein Bürgerforum statt. Dieses Mal stand ein Thema im Mittelpunkt, das in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nicht die Aufmerksamkeit erhält, die ihm angesichts der aktuellen Herausforderungen zukommen sollte: der Bevölkerungsschutz in Krisen- und Katastrophensituationen.
Neben der Initiatorin waren Vertreter des Ordnungsamtes, des Technischen Hilfswerks (THW), der Feuerwehr und der Bundeswehr anwesend.
Gut organisiert – aber mit begrenzten Möglichkeiten
Die Vertreter der beteiligten Organisationen vermittelten überzeugend, dass der Bevölkerungsschutz innerhalb ihrer jeweiligen Zuständigkeitsbereiche einen hohen Stellenwert einnimmt.
Sie erläuterten die bestehenden Verantwortungs- und Entscheidungsstrukturen, die je nach Art und Ausmaß einer Gefahrenlage angepasst werden können. Dabei wurde besonders hervorgehoben, dass die verschiedenen Organisationen eng zusammenarbeiten, ihre Maßnahmen aufeinander abstimmen und entsprechend ihren jeweiligen Kompetenzen und gesetzlichen Zuständigkeiten handeln.
Diese organisatorischen Voraussetzungen sind zweifellos wichtig. Sie können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein gut vorbereitetes und koordiniertes Hilfssystem an seine Grenzen stoßen kann.
Aufklärung muss die Bevölkerung auch erreichen
In der anschließenden Diskussion wurden aus dem Publikum verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie sich das Bewusstsein für Krisenvorsorge und richtiges Verhalten in Notlagen stärken ließe.
Genannt wurden unter anderem eine zeitgemäße Neuauflage des früheren ARD-Verkehrssicherheitsformats „Der 7. Sinn“, eine stärkere Einbindung des Themas in den Schulunterricht sowie eine regelmäßige und deutlich wahrnehmbare Berichterstattung in den Medien.
Feuerwehr (1) und THW (2) stellen bereits heute umfangreiche Informationen auf ihren Internetseiten und teilweise auch in sozialen Medien bereit. Doch selbst die besten Informationsangebote erfüllen ihren Zweck nur eingeschränkt, wenn große Teile der Bevölkerung sie nicht kennen oder nicht nutzen.
Hier besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf.
Umso bedauerlicher war die vollständige Abwesenheit der eingeladenen Presse. Gerade bei einem Thema, das die Sicherheit der gesamten Bevölkerung betrifft, wäre eine journalistische Begleitung wünschenswert gewesen. Die Medien könnten wesentlich dazu beitragen, wichtige Informationen über den Kreis der unmittelbar Interessierten hinaus bekannt zu machen.
Wenn mehrere Krisen gleichzeitig auftreten
Glücklicherweise sind außergewöhnliche Katastrophenlagen, die umfangreiche Krisenstäbe und überregionale Hilfsmaßnahmen erfordern, vergleichsweise selten. Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und an der Erft sowie die Corona-Pandemie haben jedoch eindrücklich gezeigt, welche Herausforderungen solche Ereignisse für staatliche Institutionen und Hilfsorganisationen mit sich bringen.
Daneben gehören die Vorbereitung und Absicherung von Großveranstaltungen wie Karneval, sicherheitskritischen Fußballspielen oder Silvester ebenso zum Aufgabenspektrum der zuständigen Stellen wie die zahlreichen alltäglichen Einsätze.
Dabei wurde ein grundlegendes Problem besonders deutlich:
Die personellen, technischen und organisatorischen Ressourcen sind begrenzt. Im Ernstfall müssen sie dort eingesetzt werden, wo die Gefahrenlage ihren Einsatz am dringendsten erfordert.
So kann beispielsweise die Bundeswehr im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Amtshilfe leisten, wenn die Kapazitäten ziviler Behörden und Hilfsorganisationen nicht ausreichen.
Kommt es jedoch zu einem militärischen Ernstfall, muss die Bundeswehr vorrangig ihre eigenen militärischen Aufgaben und ihre Einsatz- und Verteidigungsfähigkeit sicherstellen. Unter solchen Umständen könnten ihre Möglichkeiten zur Unterstützung ziviler Stellen erheblich eingeschränkt sein. Umgekehrt könnte auch die Bundeswehr auf Leistungen ziviler Organisationen angewiesen sein.
Ähnliche Engpässe können beim THW entstehen, wenn gleichzeitig aus zahlreichen Regionen Hilfe angefordert wird. Und auch die örtliche Feuerwehr kann bei einer großflächigen Schadenslage nicht überall gleichzeitig eingreifen.
Die Vorstellung, dass im Notfall jederzeit und überall ausreichend staatliche Hilfe zur Verfügung steht, wäre deshalb trügerisch.
Eine Zeitenwende mit weitreichenden Folgen
Besonders nachdenklich machte mich eine Aussage von Brigadegeneral Daniel Draken:
„Wir leben nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.“
Diese Worte verdeutlichen die veränderte sicherheitspolitische Lage aus militärischer Perspektive. Sie sind eindringlich und machen deutlich, dass wir uns mit Bedrohungen auseinandersetzen müssen, die noch vor wenigen Jahren für viele Menschen kaum vorstellbar waren.
Beim Nachdenken über diese Aussage wurde mir allerdings bewusst, dass die Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz weit über militärische Bedrohungen hinausgehen.
Auch der Klimawandel verändert unsere Gefahrenlage. Häufigere oder intensivere Hitzeperioden, Starkregenereignisse, Dürren und bestimmte andere Wetterextreme können Menschen, Infrastruktur und Versorgungssysteme erheblich belasten. Hinzu kommen mögliche Stromausfälle, Störungen der Kommunikationsnetze und Unterbrechungen wichtiger Liefer- und Versorgungsketten.
Nicht jedes dieser Ereignisse ist unmittelbar auf den Klimawandel zurückzuführen. Dennoch erhöhen die nachgewiesenen Veränderungen verschiedener klimatischer Risiken den Handlungsdruck.
Entscheidend ist dabei nicht allein die einzelne Gefahrenlage. Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Krisen gleichzeitig auftreten oder sich gegenseitig verstärken.
Eigenvorsorge ist keine Nebensache
Eine zentrale Botschaft des Bürgerforums lautete deshalb: Die Bevölkerung muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst Vorsorge treffen und in der Lage sein, zumindest vorübergehend ohne unmittelbare staatliche Hilfe auszukommen.
Das bedeutet keineswegs, dass sich der Staat seiner Verantwortung entziehen dürfte. Vielmehr ergänzen sich öffentliche Gefahrenabwehr und private Vorsorge.
Wer sich bei einem längeren Stromausfall, einer Unterbrechung der Wasserversorgung oder einer anderen außergewöhnlichen Lage zunächst selbst helfen kann, ist weniger unmittelbar auf die Unterstützung der Einsatzkräfte angewiesen.
Damit bleiben mehr Kapazitäten für diejenigen verfügbar, die besonders gefährdet sind oder sich nicht selbst helfen können.
Jede sinnvolle Eigenvorsorge kann im Ernstfall das Hilfssystem entlasten.
Den Teilnehmern wurde deshalb dringend empfohlen, sich mit den Hinweisen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (3) vertraut zu machen.
Der Ratgeber des BBK enthält praktische Empfehlungen zur persönlichen Notfallvorsorge und zum richtigen Verhalten in unterschiedlichen Krisensituationen. Dazu gehören beispielsweise die Bevorratung von Lebensmitteln und Trinkwasser, die Vorbereitung auf Stromausfälle, die Zusammenstellung wichtiger Dokumente und die Sicherstellung grundlegender Informationsmöglichkeiten.
Eine vollständige Darstellung dieser Maßnahmen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.
Ebenso wichtig wie die eigene Vorbereitung ist jedoch die Weitergabe dieses Wissens. Gespräche in der Nachbarschaft, Vereine, WhatsApp-Gruppen und soziale Medien können helfen, auch Menschen zu erreichen, die sich bislang kaum mit dem Thema beschäftigt haben.
Gerade ältere, alleinlebende, gesundheitlich eingeschränkte oder anderweitig besonders verletzliche Menschen dürfen dabei nicht übersehen werden. Nachbarschaftliche Unterstützung kann in einer Krisensituation von entscheidender Bedeutung sein.
Verantwortung beginnt bereits im Alltag
Bevölkerungsschutz erschöpft sich allerdings nicht in Notvorräten und persönlichen Krisenplänen.
Wir sollten uns auch fragen, wie wir im Alltag mit den Menschen umgehen, die für unsere Sicherheit sorgen, und ob wir ihnen ihre Arbeit unnötig erschweren.
Aggressivität, Bedrohungen oder gar Gewalt gegenüber Feuerwehrleuten, Rettungsdiensten und Ordnungskräften sind nicht hinnehmbar. Respekt vor Einsatzkräften und Verständnis für ihre Aufgaben sollten deshalb bereits in der schulischen Bildung vermittelt werden.
Ein weiteres, ganz alltägliches Problem sind zugeparkte Straßen und blockierte Zufahrten.
Gerade in Wohngebieten mit begrenztem Parkraum wird häufig übersehen, dass Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge deutlich mehr Platz benötigen als gewöhnliche Pkw. Die vorgeschriebene beziehungsweise erforderliche Durchfahrtsbreite darf nicht durch parkende Fahrzeuge eingeschränkt werden.
Zunehmende Fahrzeugzahlen, Zweitwagen, Wohnmobile und dauerhaft abgestellte Anhänger verschärfen die Situation vielerorts zusätzlich.
So verständlich der Wunsch nach einem wohnungsnahen Parkplatz auch sein mag: Ein bequem abgestelltes Auto darf nicht dazu führen, dass im Ernstfall lebensrettende Hilfe zu spät kommt.
Mein Fazit
Das Bürgerforum hat deutlich gemacht, dass sich die zuständigen Behörden und Hilfsorganisationen intensiv mit möglichen Krisenlagen beschäftigen und über etablierte Strukturen der Zusammenarbeit verfügen.
Ob diese Strukturen bei einer außergewöhnlichen, möglicherweise länger andauernden oder mehrere Regionen gleichzeitig betreffenden Krise ausreichen, lässt sich aus einem solchen Informationsabend allerdings nicht abschließend beurteilen.
Eine Erkenntnis bleibt dennoch:
Bevölkerungsschutz ist nicht allein Aufgabe von Behörden, Feuerwehr, THW oder Bundeswehr. Er ist auch eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe.
Wir können und müssen nicht jede denkbare Krise individuell bewältigen können. Aber wir sollten uns darauf vorbereiten, für eine begrenzte Zeit eigenständig handlungsfähig zu bleiben, unsere Mitmenschen zu unterstützen und den professionellen Hilfskräften ihre Arbeit nicht unnötig zu erschweren.
Dazu gehört auch, dass Politik, Verwaltung und Medien das Thema kontinuierlich in die Öffentlichkeit tragen – nicht erst dann, wenn eine Katastrophe bereits eingetreten ist.
Denn eine gut informierte und vorbereitete Bevölkerung ist selbst ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Bevölkerungsschutzes.
(1) Homepage Freiwillige Feuerwehr Köln Homepage Berufsfeuerwehr Köln
(2) Homepage THW
(3) Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)-Fundstelle Ratgeber
