Offen für die schönen Momente des Lebens
Mich irritiert in der Ausgabe der Zeitschrift, Spektrum Psychologie 02.23 – Sinngefühl, sowohl Tenor, als auch die Ausarbeitung des Artikels.
Die Existenz des Menschen ist genauso viel oder wenig sinnvoll wie die eines Steines. Im Universum wird die Zusammensetzung der Materie von Regeln und Prozessen bestimmt, aber nie von einem Sinn. Im Leben einen Sinn zu suchen ist somit ein Thema des Okkulten oder sinnesvernebelnder spiritueller Praktiken und nicht der wissenschaftlichen Betrachtung.
Anders verhält es sich damit, dass ein Leben dem Lebenden mehr oder weniger lebenswert erscheinen könnte. Hier greifen die im Artikel ausgewiesenen individuellen Fähigkeiten, die Schönheit des Lebens und der Welt und seine eigene Verortung dort zu erkennen und als bereichernd zu empfinden, denn in dem Moment, in dem uns unser Denken aus der Dunkelheit des Vegetierens gerissen hat, wurden wir unserem Selbst und der Umwelt bewusst. Beobachtungen verlangten Erklärungen und menschliches Verhalten unterlag einer gewissen Rechtfertigungspflicht. Das Gefühl, hilflos dem Leben ausgeliefert zu sein und der damit verbundenen Akzeptanz aller Gefahren, geht seit dem einher mit dem Verlangen auf einen glücklichen Verlauf, den aber niemand garantieren kann!
Leben ist sinnlos und endet immer, früher oder später, tödlich! Das bedeutet aber nicht, dass wir uns unser Leben bis dahin nicht angenehm oder sogar schön gestalten könnten, Mitlebewesen emphatisch gegenüber auftreten könnten und uns kulturell adäquat verhalten könnten. Andererseits steht es uns frei dieses, unser einziges Leben in Agonie, Hass oder asozialem Verhalten zu verleben.
Jeder muss sich aber der Antwort der Mitlebewesen stellen. Soweit diese mächtiger sind, wird man selber bei fehlender Akzeptanz des eigenen Verhaltens der Verlierer sein. Die daraus resultierenden Konsequenzen pendeln zwischen unangenehm bis lebensverkürzend, sprich: unschön.
Wobei keiner gesagt hat, dass ein schönes Leben einfach zu haben sein könnte oder dass jeder die gleichen Chancen auf ein glückliches oder würdiges Leben hätte. Woher auch? Alle Vorraussetzungen dafür – physikalisch, biologisch, psychologisch, sozial usw. – sind äußerst ungleich verteilt und die individuellen oder gesellschaftlichen Erwartungen an solche Zustände ebenso!
Aber wie wir uns auch entscheiden, die Sinnlosigkeit unserer Existenz in diesem Universums wird uns spätestens in dem Augenblick vor Augen geführt, in dem uns unabwendbare Ereignisse ereilen, die sich dabei nicht an unsere ethisch-moralischen Erwartungen orientieren.
Unserer Sonne wird verglühen und uns ins tödliche Chaos mitreißen. Wahrscheinlich werden wir aber bereits irgendwann vorher, durch den Einschlag eines Meteoriten oder ähnlicher Naturgewalten, abtreten. Im Kleinen passiert das nahezu täglich und immer wieder. Das können unvermutete Erkrankungen, Unfälle, Erdbeben oder andere Ereignisse sein.
Der Erde, dem Sonnensystem oder dem Universum ist es vollkommen egal, ob die Erde existiert oder ob auf der Erde acht, zehn Milliarden oder kein Mensch lebt! Spätestens mit dem letzten Menschen stirbt dann auch unsere sinnlose Sinnsuche.
